Wie Langeweile Dein Glück beeinflusst

Hast Du schon mal gedacht, dass Du Dich mehr anstrengen musst, um Dein Glück zu finden?

Vor einigen Jahren dachte man noch, dass die Gehirnentwicklung beim Erwachsenen irgendwann abgeschlossen sei. Einmal verdrahtet, immer verdrahtet. Mittlerweile ist bekannt, dass das Gehirn das plastischste Organ ist, das wir überhaupt haben. Es ist bis ins hohe Alter lernfähig und kann sich immer wieder neu verschalten. Ganze Hirnregionen können expandieren oder miteinander verschmelzen. Eine Weile ging man auch davon aus, das Hirn sei wie ein Muskel. Je mehr wir uns anstrengen und üben, desto mehr wächst es.

Heute weiß man, dass im Gehirn etwas passieren muss, das jenseits von stumpfem Auswendig lernen liegt. Wir müssen emotional berührt sein. Es muss uns unter die Haut gehen, uns begeistern oder wachrütteln. Wie Musik, die uns zu Tränen rührt oder zum Tanzen bringt.

Als Kind sind wir leicht zu begeistern. Jeden Tag schlagen wir ein neues Kapitel auf. Die Welt ist voller Überraschungen und es gibt vieles zu entdecken: der erste Frühling, der erste Kuss, die erste Enttäuschung…

Irgendwann werden die ersten Male dann weniger. Spätestens am Ende der Schulzeit begegnet uns der Gedanke:

Du musst dich jetzt entscheiden, welchen Weg du einschlägst.

Wir werden erwachsen, ergreifen einen Beruf und gründen vielleicht eine Familie. Das Leben verläuft zunehmend in geregelten Bahnen. Neue Erfahrungen werden immer seltener. Und plötzlich steht die Frage im Raum: Will ich das, was ich täglich tue, mein Leben lang weitermachen?

Viele Menschen sitzen im goldenen Käfig und wagen sich nicht an etwas Neues. Etwas, das mehr Spaß macht und sie wirklich interessiert.

Oft taucht hier der Gedanke auf: Was man einmal angefangen hat, das muss man auch zu Ende bringen.

Warum eigentlich? Warum sich nicht ausprobieren und dem Glück auf die Sprünge helfen? Wer anpackt und sich ausprobiert, erfährt eine Menge über sich selbst. Das macht viel mehr Laune, als über Jahre dem alten Trott zu folgen.

Unser Gehirn braucht neue Eindrücke und Impulse. Es will etwas lernen, und zwar in jedem Alter.

Möglicherweise gehörst Du zu denjenigen, die nie wussten, was sie wollen. Die viele Sachen angefangen und wieder aufgehört haben. Bist Du jetzt schlechter dran als der verbeamtete Lehrer, der keine Lust mehr auf den Schulalltag hat und lieber die Stadt wechseln würde?

Ich denke: Nein. Es gibt immer einen guten Grund warum man etwas Bestimmtes tut bzw. nicht tut. Vielleicht hast Du Dich einfach nur entschieden Dein persönliches Glück zu finden. Und das passte einfach nicht zu dem, was sich an Optionen bot.

Vielleicht machst Du Dir das Leben nur schwer, weil Du das Glücklich Sein noch nicht aufgegeben habst. Warum nicht eine Sache, von der man hellauf begeistert ist, morgen wieder fallen lassen? Das ist auch konsequent.

Die Realität sieht oft anders aus, als die Idee, die man von ihr hatte.

Das Leben besteht aus viel Routine und Gewohnheit und selbst die Sachen, die wir uns wochenlang ausgemalt haben, fühlen sich im Alltag oft ganz anders an.

Ob man schon immer wusste, welchen Weg man gehen will oder nicht – entscheidend ist, ob der eingeschlagenen Weg glücklich macht.

Steve Jobs soll einmal gesagt haben, man könne nur richtig gute Arbeit leisten, wenn man liebt, was man tut. Anscheinend hatte er das Glück zu wissen, dass sein Herz am lautesten für Technologie und Design schlug.

Denn meisten von uns geht es anders.

Viele bekommen als junger Mensch gar nicht die Chance zu erkennen, wo ihre Talente und Begabungen liegen. Wir werden in ein Raster gepresst und sollen funktionieren. Entscheidungen werden uns abgenommen oder wir treffen sie aus Mangel an Alternativen. Wir sind schlecht beraten. Oft müssen wir auch erst noch unseren Verstand sortieren und Erfahrungen, die wir als Kind gemacht haben, in die richtigen Schubladen packen, bevor wir wissen, was wir wollen.

Ein glückliches Leben führen. Etwas tun, was mich begeistert. Rund um die Uhr. Wer will das nicht? Klingt wunderbar. Allerdings nicht, wenn man den Gedanken hat:

Ich muss mich begeistern, dann bin ich glücklich.

Das hört sich nach einer Menge Stress an. So schön es auch ist, begeistert zu sein, es aber zu müssen? Und das persönliche Glück davon abhängig machen? Das passt nicht wirklich zusammen.

Laut einer amerikanischen Studie lässt sich Glück durch eine einfache Formel beschreiben:

Glück = Realität – Erwartungen

Kurz um: Kommt es in der Realität besser als erwartet, ist man glücklich. Läuft es schlechter, ist man unglücklich.

Wenn ich glaube, dass mich alles, was ich tue, begeistern muss, trifft mich die Realität wie eine kalte Dusche. Ich laufe mit der Erwartungshaltung durch die Welt, dass alles, was ich tue, sensationell sein muss und mache ständig die Erfahrung, dass das Leben trist und eintönig ist. Mit solchen Gedanken weiß ich am Montagmorgen, den Kaffee um die Ecke garantiert nicht mehr zu schätzen. Die Kollegen sind nervig, und der Alltag ist öde.

Ohne den Gedanken, die Welt um mich herum müsse spannender, die Menschen interessanter oder ich einzigartiger sein, bin ich viel freier meinen eigenen Weg zu gehen. Ich muss nicht dauernd nach links und rechts schielen und mich mit anderen vergleichen.

Je weniger ich erwarte, desto mehr kann das Leben mich überraschen. Wenn ich davon ausgehe, dass alles, was ich tue oder erlebe einzigartig sein muss, ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Ohne den Druck begeistert sein zu müssen, kann ich das Leben kommen lassen. So wie es ist. Die Messlatte ans Leben und mich hängt nicht so hoch, dass wir uns ständig verpassen. Ich muss nichts suchen, von dem ich gar nicht genau weiß, wie es sein soll. Ich darf mich in verschiedenen Rollen ausprobieren und erleben, wie sich die Dinge anfühlen, bevor ich mich festlege. Ich bleibe offen dafür, mich an kleinen Dingen zu freuen.

Das Leben wird spannend, wenn man etwas genauer hinschaut und dabei nicht versucht es in ein kleines Käsekästchen zu packen.

Ohne stressige Gedanken kann ich mich viel leichter begeistern. Für die perfekten Sneakers, einen neuen Serienhelden, meine Freunde, interessante Gespräche, inspirierende Bücher, schöne Dinge, spannende Einsichten oder andere Menschen.

Oder einfach nur daran, in einer für mich wichtigen Sache, über meinen eigenen Schatten gesprungen zu sein.

Das Gegenteil von „begeistern“ bedeutet für mich „langweilen“.

Mal davon abgesehen, dass man sich nicht ständig begeistern kann, ist es gut wahrzunehmen, dass „begeistern“ ohne „langweilen“ möglicherweise gar nicht funktioniert. Wenn ich nicht weiß, wie sich ein routiniertes Leben anfühlt, kann ich gar nicht erkennen wann mich etwas begeistert. Das eine funktioniert ohne das andere nicht.

Langeweile gilt ja als eine der letzten echten Sünden unserer Immer-auf-Zack-Welt. Ich finde: Ich darf und muss mich langweilen. Das stimmt für mich genauso, besonders weil die Jagt nach Begeisterung so anstrengend ist. Und unser mit immer neuen Infohäppchen überflutetes Gehirn auch mal eine Pause braucht. Einfach mal Larifari denken. Ich darf mich langweilen, um dann auch mal begeistert und inspiriert zu sein.

Oder, was meinst Du?

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