Wie Dir Deine Gefühle helfen, freier und selbstbestimmter zu leben

Was wäre, wenn alle Deine Gefühle einfach da sein dürften und Du nichts weiter tun müsstest, als sie zu fühlen?

Wenn Du Angst oder Wut fühlen könntest und ganz frei wärst, darauf hin zu handeln oder nicht?

Gefühle sind wie Musik. Sie schwingen auf bestimmten Frequenzen und spiegeln sich in unserem Körper. Sie bringen uns in Resonanz mit andern Menschen, die auf ähnlichen oder entgegengesetzten Frequenzen schwingen.

Sie zeigen uns, was wichtig ist und Bedeutung hat. Durch unsere Gefühle spüren wir, dass wir am Leben sind.

Wir schauen uns Dramaserien im Fernsehen an, fiebern bei Castingshows mit oder sind durch Musik zu Tränen gerührt. Wir wollen Emotionen sehen und selber gefühlsmäßig berührt werden.

Unsere Fähigkeit zu fühlen macht uns erst richtig lebendig.

Wir brauchen das Gefühl, um zu entscheiden, was uns am oder auf dem Herzen liegt. Dass uns der Atem weg bleibt, die Haare zu Berge stehen oder unser Herz tanzt und wir Schmetterlinge im Bauch haben. Gefühle sind wie bunte Bojen im Meer, die uns signalisieren:

„Achtung – hier geht´s um was!“

Gefühle sind unser natürliches Navigationssystem.

Ohne Gefühle hätten wir große Probleme, uns in unserem sozialen Umfeld zu bewegen. Wir würden viel zu lange brauchen, um die vielen Informationen, die auf uns einströmen, durch bloßes Denken zu verarbeiten.

Wir können nicht so schnell denken, wie wir fühlen können.

Dazu kommt, wenn wir alle Gefühle zulassen, können wir entdecken, was wir wirklich wollen. Sonst bleiben unsere Wünsche und Bedürfnisse einfach nur ausgedachte Ideen und orientieren sich mehr an dem, was wir glauben zu sollen und zu müssen.

Dass was Du wirklich willst, kannst du nur fühlend wahrnehmen.

Warum vertrauen wir dann nicht mehr auf unsere Gefühle?

Das gesellschaftliche Ideal des Menschen bestand lange darin, möglichst sachlich und souverän zu sein und wenig zu fühlen. Gefühle galten als Zeichen von Schwäche und waren unerwünscht.

Dieses Denken ist immer noch in vielen Köpfen verankert.

Den meisten von uns wurde von klein auf beigebracht, Gefühle zu kontrollieren und zurück zuhalten.

Vielleicht hast Du als Kind auch Sätze gehört, wie:

  • Ein Indianer kennt kein Schmerz
  • Jungs weinen nicht
  • Wenn du weinst, dann siehst du ganz hässlich aus
  • Man lässt sich nicht gehen
  • Anständige Mädchen werden nicht wütend

Wahrscheinlich hat Dir auch niemand erklärt, wie Du mit heftigeren Emotionen (z.B. Angst oder Wut) am besten umgehen kannst. Vielleicht kamen Dir Deine Gefühle selber unberechenbar vor – also hast Du sie aktiv mit weggeschoben.

Für das Verdrängen von Gefühlen zahlt man einen hohen Preis

Mittlerweile ist bekannt, dass Gefühle die über einen längeren Zeitraum unterdrückt werden, den Körper krank machen. Wir können nicht gesund und lebendig sein, wenn unsere Zellen mit Groll oder Wut verstopft sind.

Schau Dir an, wie natürlich und ungefiltert kleine Kinder mit ihren Emotionen umgehen. Sie sind von einer Minute zur nächsten wütend, traurig oder fröhlich, ohne irgendeinen Schaden davon zu nehmen. Wenn wir etwas erleben, was uns so tief verletzt, dass wir es kaum ertragen können, spalten wir uns von diesen Gefühlen ab. Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers. Wir schützen uns vor dem Fühlen der Emotion und verdrängen sie. Das Problem ist, das unterdrückte Emotionen nicht einfach so verschwinden. Sie suchen sich einen Platz im Körper und versuchen auf sich aufmerksam zu machen.

Gefühle, über einen langen Zeitraum zu unterdrücken kostet Kraft und Energie. Wenn man sie zu lange ignoriert, entwickeln sie giftige Energien, die den Körper krank machen.

Wenn man den Schmerz über eine Trennung oder die Trauer über einen Verlust nicht fühlt, sondern verdrängt, verschwinden Schmerz und Trauer ja nicht durch dieses nicht fühlen, sie bleiben einfach nur unverarbeitet.

Man erspart sich scheinbar erst mal ein paar traurige Nachmittage oder Abende, wenn man das Fühlen umgeht. Vielleicht stürzt man sich in irgendwelche Aktivitäten, betäubt sich mit Bier, Zigaretten, Sex oder geht exzessiv shoppen.

Das kann man natürlich alles machen.

Doch dieses Verdrängen hat zur Folge, dass man diese ungelösten Gefühle weiter mit sich herumschleppt. Und weil man die Gefühle bzw. den Schmerz ja irgendwie von sich fern halten muss, ist der Körper permanent verspannt.

Nicht gefühlte Gefühle:

  • Verspannen Nacken und Rücken
  • blockieren den Brustkorb
  • erschweren die Atmung
  • verschlechtern den Schlaf
  • verbrauchen Energie
  • können psychosomatische Krankheiten verursachen und
  • machen dich unfrei und unlebendig

Wir denken unsere Gefühle klein

Unsere Gedanken und inneren Konzepte bestimmen mit darüber, ob wir etwas fühlen dürfen oder nicht.

Oft bestimmt unser Über-Ich, welche Gefühle wir haben dürfen und welche nicht.

So entscheidet unser Über-Ich z.B. darüber, ob der Schmerz über eine Trennung gefühlt wird oder eigentlich gar nicht gefühlt werden braucht, weil der Kopf ja weiß, dass man sowieso nicht zueinander gepasst hat und deswegen jetzt nicht traurig über die Trennung sein muss. Oder man glaubt, dass man alles annehmen sollte, wie es ist und deswegen alle schlechten Gefühle ignorieren kann.

Wirkliche innere Gelassenheit folgt immer auf Gefühle nachdem sie gefühlt wurden, nicht nachdem sie verdrängt wurden. Erst dann kann man die Situation so annehmen wie sie ist.

Oft ist auch die Angst, ein bestimmtes Gefühl zu fühlen, viel größer als das tatsächlich körperlich spürbare Gefühl. Wir denken, wenn wir unsere Traurigkeit oder unseren Schmerz zulassen, dann zerreißt er uns. Wir befürchten er wird noch stärker und bringt uns um. Dazu kommt: Wir wollen so nicht sein. Wir wollen nicht die Traurige sein, der Verbitterte oder die Gedemütigte.

Wir glauben, wenn wir ein Gefühl fühlen, dass wir dieses Gefühl sind.

Das ist natürlich nicht wahr. Dieser Gedanke lässt uns Angst vor unsern Gefühlen haben.

Wir sind lediglich der Raum, indem das Gefühl stattfindet.

Gefühle sind flüchtig. Sie sind keine Tatsachen oder Dinge. Sie kommen und gehen. Wir können sie nicht mit dem Verstand bearbeiten und hinterfragen. Sie wollen lediglich gefühlt werden.

Im Prinzip ist es nichts weiter als die Angst vor unseren Gefühlen, die uns am Fühlen hindert. Wir wissen nicht, was uns erwartet. Ob es uns umbringt oder auffrisst.

Und die Angst, ein Gefühl nicht aushalten zu können, basiert auf keiner Erfahrung.

Es ist nur ein Gedanke.

Das Schöne ist, wenn wir diese Angst verlieren und das Gefühl fühlen, verliert es seine Macht. Wir erleben, dass es nichts weiter als ein Gefühl ist, das wir spüren. Das macht uns frei.

Gefühle sind vergänglich.

Was können wir machen, wenn wir das Fühlen nicht mehr gewohnt sind?

Möglicherweise fällt es Dir schwer, Zugang zu Deinen Gefühlen zu finden. Oder Du hast Angst, die Kontrolle zu verlieren.

Beginn in kleinen Schritten. Ein Gefühl kann man nicht auf intellektuelle Weise bearbeiten.

Oft hat man Angst vor Gefühlen aus einer Zeit, als man noch sehr klein war und die Gefühle einem tatsächlich übermächtig und unglaublich groß erschienen.

Indem man Gefühle nach und nach zulässt, kann man die Angst vor ihnen verlieren und entdecken, dass das Herz viel größer ist als das Gefühl.

Wichtig ist in erster Linie Deine Bereitschaft, alles fühlen zu wollen, was auftaucht.

Es ist auch ein Unterschied, ob Du mit deinen Gefühlen identifiziert bist, oder ob Du sie nur wahrnimmst und fühlst.

Beim reinen Fühlen bist Du in deiner Mitte.

Das heißt, Du bleibst im jeweiligen Augenblick und fühlst die Gefühle, die in der aktuellen Situation auftauchen, ohne Dich in irgendeiner Geschichte zu verstricken.

Wichtig ist, dass Du Gefühle wie Wut und Trauer nicht durch „Immer wieder passiert mir das“ oder „Warum war nie jemand für mich da?“ Gedanken aufrecht erhältst.

Damit fütterst Du nur deinen Schmerzkörper (indem bereits vorhandener, unverarbeiteter Schmerz und alte, verdrängte Emotionen stecken).

Falls solche Gedanken auftauchen: Nimm sie einfach wahr und tue nichts weiter mit ihnen.

Vielleicht hilft Dir die Erkenntnis, dass Du immer mehr bist als dieses eine Gefühl oder dieser eine Gedanke. Je weniger Du Deine Gefühle und Gedanken für die absolute Wahrheit hältst, desto eher kannst Du sie ziehen lassen.

Annehmen ist der große Wandler, soll schon Laotse gesagt haben. Das, was wir akzeptieren ändert sich, weil wir es nicht festhalten und nicht ändern wollen.

Das Erstaunliche ist: Veränderung findet dann auf magische Weise von ganz alleine statt.

Wie geht es Dir mit Deinen Gefühlen?

Ich freue mich, von Dir zu hören!

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5 Antworten

  1. Anonymous sagt:

    Ja, das Fühlen ist sehr wichtig. Danke für den Beitrag.

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