Weihnachten: Heilig oder scheinheilig?

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Irrsinn, dem wir an Weihnachten oft begegnen. Es sollte still, besinnlich und harmonisch sein, aber das Gegenteil ist erfahrungsgemäß häufig der Fall…

An Weihnachten wird der Widerspruch zwischen dem, was in dieser Zeit sein sollte und dem, was tatsächlich ist, oft besonders stark erlebt.

Es fängst schon damit an, dass wir unseren Nächsten lieben sollen wie uns selbst und ihm auch noch ein schönes, passendes Geschenk machen müssen.

Hier wird der Widerspruch mancher Orts schon deutlich: Nämlich dann, wenn ich eigentlich einen Groll auf meinen Nächsten habe und ihm oder ihr eigentlich überhaupt nichts geben möchte – das aber jetzt, weil ja Weihnachten ist, doch unbedingt muss

Alle Jahre wieder das gleiche Programm

Und dieses Programm spielt sich ja nicht erst jetzt zum ersten Mal in meinem Leben ab. Meist ist mir das ja schon als Kind begegnet. Womöglich bin ich in einer Familie aufgewachsen, in der besonders zum Fest der Liebe deutlich wurde, wie lieblos es tatsächlich in dieser Familie zu geht. Der Anspruch besonders herzlich und liebend zu sein passt eben nicht zu der Realität einer zerrütteten Familie, in der viele unausgesprochene Dinge unter dem Weihnachtsbaum warten.

Das Potential für Konflikte ist an Weihnachten besonders hoch

Besonders deswegen, weil sie hier eben nicht sein dürfen. Die Wirklichkeit ist allerdings immer stärker als das, was ich von ihr erwarte. Wenn ich mir darüber nicht bewusst bin, dann bin ich gezwungen mich in ein Korsett zu zwängen, das mir nicht passt. Ich verhalte mich so, wie es von mir oder der Familie erwartet wird und mache gute Miene zum bösen Spiel. Das heißt, ich sage Dinge, die ich nicht so meine und sitze mit Menschen unter einem Baum mit denen ich dort eigentlich nicht sitzen möchte.

Da hilft dann meistens nur noch hochprozentiges oder es müssen noch härtere Geschosse aufgefahren werden, damit ich das Ganze womöglich gar nicht wirklich mitbekomme.

Willkommen in der Scheinheiligkeit

Das ganze heilige Fest führt sich so ad absurdum und wird scheinheilig.

Muss das sein?

Nein.

Ich kann mir gerade jetzt wirklich nahe kommen. Ich kann mir bewusst darüber werden, was ich tatsächlich fühle und dadurch entdecken, was ich wirklich will. Zum Beispiel, dass ich nicht den Rest meines Lebens meiner Mutter zu Liebe Verständnis für meine Schwester aufbringen will, die immer bevorzugt wird. Und vor allem, dass ich das auch nicht muss.

Kein Kampf nötig

Das heißt nicht, das ich jetzt an Weihnachten allen auftischen muss, was ich wirklich von ihnen halte. Ich kann das im Stillen für mich tun. Mir selber eingestehen, was in meinem Leben von statten geht. Nur für mich. Auch wenn das schmerzhaft sein sollte. Das ist zumindest mir gegenüber liebevoll. Einfach allein deswegen, weil ich mich selber sehe und mit allem, was hochkommt, sein lasse. Meist schlummert in uns ja die Erwartung, die anderen sollten genau das tun: Mich sehen, Verständnis haben und mich endlich so sein lassen, wie ich bin. Aber dieses Mich-sein-lassen fängt bei mir selber an. Ich muss mich dann innerlich nicht mehr verbiegen, um etwas zu bekommen, was ich schon seit Jahren nicht bekommen habe. Ich gebe es mir selber.

Zu mir kommen

Und ich finde es nicht da draußen. Weder in Geschenken noch in einer aufgesetzten Familientradition. Es liegt in mir und in meiner persönlichen Verbindung, die ich zu dem, was man Gott nennen kann, habe. Nicht im religiösen Sinne einer Institution, die mir etwas vorschreibt. Ich kann meinen eigenen Zugang zum Leben und dem, was es für mich ausmacht entdecken. Darin liegt die Chance. Ich kann mich für eine Liebe öffnen, die alles einschließt und nicht auf Harmonie besteht, wo sie nicht zu finden ist. Es steht mir frei mich mit Menschen zu umgeben, die mir wirklich etwas bedeuten und mich tatsächlich berühren. Und der Mensch, dem ich am nähsten bin, der bin immer noch ich selbst.

Herzlichst,

Bine

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