Warum uns Schluss machen so schwer fällt – Spiegelneurone

Ich hab Dich im Gefühl – Spiegelneurone

 

Menschen spüren nicht nur ihre eigenen Gefühle. Sie schwingen auch im emotionalen Erleben ihrer Mitmenschen mit.

 

Wer sich leicht in andere rein versetzen kann und gute Antennen für ihre Gefühle hat, ist in der Lage, zwischen sich und anderen schnell eine angenehme Wellenlänge entstehen zu lassen.

 

Segen oder Fluch?

 

Gute Antennen für die Gefühle anderer zu haben hat viele Vorteile:

 

  • Man hat ein feines Gespür für das Klima in Gruppen,
  • kann sich in unterschiedliche Menschen einfühlen
  • und trifft beim Gegenüber oft den richtigen Ton.

 

Allerdings kann diese Empathie-Fähigkeit Segen und Fluch zugleich sein.

 

Manche Menschen reagieren sehr sensibel auf den Stress des Gegenübers und vermeiden es, unangenehme Gefühle bei anderen auszulösen.

 

Wer im therapeutischen Bereich oder als Coach tätig ist, der kann ein Lied davon singen…

 

Gefühle sind ansteckend.

 

Viele Menschen haben kein Problem damit, nicht gemocht zu werden und können Streit mit anderen gut aushalten. Aber jemanden, der direkt vor ihnen steht, mit einer unangenehmen Sache zu konfrontieren, fällt ihnen meist schwer.

 

 

 

Eine Trennung tut auch demjenigen weh, von dem sie ausgeht.

 

Manchmal merken wir es nicht sofort.

Aber dann zeigt sich: Eigentlich reicht es.

Der Mensch, der erst so toll schien, ist es doch irgendwie nicht. Fängt an lästig zu werden, wählt die falsche Partei oder redet zu viel Blödsinn.

Die Erkenntnis ist an sich nicht weiter schlimm (kann ja nicht jeder zu jedem passen). Dramatisch ist hingegen oft, was in vielen Fällen auf diese Erkenntnis folgt. Nämlich nichts.

Eine Abfuhr erteilen ist fast so unangenehm, wie eine zu kassieren. Und weil wir das ganz genau wissen, drücken wir uns darum.

 

Wer möchte schon freiwellig einen anderen verletzen?

 

Mein Nachbar kann sich z.B. nicht von seiner Freundin trennen, weil er sie nicht unglücklich sehen will (dass sie gerne ein Kind mit ihm hätte, macht es auch nicht besser). Er weiß, dass sie nicht die Richtige für ihn ist und es besser wäre, sich zu trennen. Aber er bringt es einfach nicht übers Herz ihr weh zu tun.

 

Per Messenger Schluss zu machen wäre einfacher…

 

Mit etwas Abstand lassen sich Wut und Traurigkeit besser ertragen. Im Gegensatz zur direkten Konfrontation der Gefühle.

 

Face to Face.

 

Warum ist das so?

 

Wir spüren die Gefühle anderer über unsere Spiegelneurone.

 

Italienische Wissenschaftler entdeckten, dass wir beim Wahrnehmen der Gefühle unseres Gegenübers Hirnaktivitäten zeigen, die uns die Gefühle des anderen real miterleben lassen. Unsere Spiegelneurone melden uns, was Menschen in unserer Nähe fühlen, und lassen uns deren Freude oder Schmerz am eigenen Leib erfahren.

 

Wenn wir beobachten, wie ein Sportler sich beim Spiel das Knie verdreht, zucken wir zusammen, obwohl wir uns nicht selbst verletzt haben.

 

Auch beim bloßen Zuschauen sind Aktivitäten im Schmerzzentrum unseres Gehirns messbar.

 

 

Mitgefühl oder Mitleid

 

Wichtig ist, zwischen Mitfühlen und Mitleiden zu unterscheiden. Beim Mitfühlen behalten wir den Überblick und bleiben handlungsfähig. Beim Mitleiden zieht uns das Leid des anderen herunter und blockiert uns.

 

Dazu kommt: Mitleid schwächt unser Gegenüber zusätzlich. Es unterstellt ihm, nicht in der Lage zu sein, seine Angelegenheiten zu regeln.

 

Es signalisiert indirekt Ich traue dir nicht zu, mit deinen Problemen umzugehen.

 

Empathie Fähigkeit oder Empathie Zwang?

 

Sich für die Emotionen anderer verantwortlich zu fühlen, lernt man meist schon als Kind.

 

Ein Beispiel:

 

Max hat früh gelernt, die Stimmung seiner Familie aufzuheitern.

Seine Antennen für schlechte Laune, Frust und Traurigkeit sind unglaublich. Er sieht quasi den (versteckten) Schmerz in den Augen der Menschen und käme nie auf die Idee, sie in irgendeiner Form bloßzustellen oder vorzuführen.

 

Eigentlich extrem sympathisch…

 

Seine äußerst ausgeprägte Empathie-Fähigkeit steht ihm allerdings auch oft im Weg.

 

Max lässt sich immer mal wieder von einem Bekannten Heimwerker bei Arbeiten rund ums Haus helfen. Der Bekannte streicht die Wände schlecht, baut die Möbel schief zusammen und ist als Handwerker miserabel. Max käme nie auf die Idee, ihm das zu sagen oder ihm zuzumuten, die Wände noch mal ordentlich zu streichen. Im Gegenteil, er lobt ihn für seine Leistungen und bestätigt ihm handwerkliche Geschicklichkeit.

 

Warum er das tut?

 

Sein Bekannter ist arbeitslos und hat ein schlechtes Selbstwertgefühl. Max will ihn nicht auch noch mit Kritik runterziehen.

 

Maxs sensible Antennen haben ihm schon oft genutzt und ihm einen großen Freundeskreis beschert: Er ist beliebt, charmant, humorvoll und kann Herzen im Sturm erobern. Wenn es aber darum geht, etwas durchzusetzen oder etwas von anderen zu fordern, ist er heillos überfordert. Und zwar nicht, weil er denkt er sei es nicht Wert korrekt behandelt zu werden, sondern weil er es nicht aushalten kann jemanden zu verletzen oder zu enttäuschen.

 

Wer so oder ähnlich handelt, tut sich und seinen Mitmenschen keinen Gefallen.

 

Für Max ist es ganz normal, sich so zu verhalten. In seinem Wertesystem stößt man niemanden vor den Kopf oder kritisiert einen anderen ungefragt.

 

Problematisch wird es erst, wenn Max auf Menschen trifft, die seine Normen nicht teilen. Der Bekannte Heimwerker meines Freundes lebt eine andere Normalität. Neulich hat er sich über Maxs neue Brille lustig gemacht und sie als potthässlich bezeichnet. Das war dann zu viel des Guten. Das Rabattmarkenheft war voll. Max platzte der Kragen. Seit dem herrscht Funkstille.

 

In Maxs Glaubenssystem ist verankert:

 

Man nimmt Rücksicht auf die Gefühle anderer Menschen.

 

Selbstverständlich erwartet er von anderen, dass sie sich ihm gegenüber genauso verhalten.

 

Genau diese Erwartung ist das Problem.

 

Deswegen trifft es ihn umso härter, wenn jemand, den er nie kritisiert hat, sich plötzlich beleidigend verhält. Und keine Rücksicht auf seine Gefühle nimmt.

 

Wir können es nicht jedem Recht machen

 

Erzählen wir zum Beispiel in einer Gruppe von Frauen, dass wir überglücklich über unsere Schwangerschaft sind, ist eventuell Eine dabei, die seit Jahren vergeblich versucht schwanger zu werden…

 

Im Prinzip können wir rein gar nichts erzählen, ohne Gefahr zu laufen, dass es jemanden trifft.

 

Für die Gefühle anderer verantwortlich zu sein ist eine Bürde, die nicht zu tragen ist.

 

Es ist unmöglich.

 

Lebensfeindlich.

 

Dazu kommt: Wer zu wenig bei sich selbst bleibt und zu viele Lasten, zu vieler Leute trägt, überfordert sich massiv.

Besonders wenn Du nicht gelernt hast auf Deine eigenen Bedürfnisse zu achten, ist es enorm wichtig, hier ein gesundes Gleichgewicht zu finden. Sonst stehst Du anderen Menschen in jeder Hinsicht zur Verfügung.

 

  • trinkst mit ihnen, damit sie nicht alleine trinken müssen,
  • rauchst mit ihnen, damit sie sich wohl fühlen,
  • kritisierst sie nicht, weil Du sie nicht kränken willst,
  • übersiehst ihre Schwächen, um sie nicht zu konfrontieren,
  • schonst sie, weil Du Harmonie willst.

 

Mit dem Ziel: geliebt, geschätzt und akzeptiert zu werden – und nicht mit ihren Gefühlen konfrontiert zu werden.

Schöne Idee. Aber das funktioniert nicht.

Hier ein paar Glaubensätze, die Dich dabei unterstützen können mehr bei Dir und Deinen Bedürfnissen zu bleiben:

 

  • Ich akzeptiere, dass nicht alle Menschen meine Werte teilen.
  • Ich kenne meine persönlichen Grenzen und beachte Sie.
  • Ich akzeptiere meine Gefühle und bin bereit sie zu fühlen.
  • Dein Gefühle lasse ich dir und vertraue darauf, dass du gut mit ihnen umgehen kannst.

 

Emotionale Freiheit entwickeln

 

Zurück zum Thema Schluss machen.

Wir sind es nicht gewohnt unangenehme Wahrheiten auszusprechen.

Dabei hat die Wahrheit etwas sehr Heilsames. In dem Fall einer Trennung, lässt sie uns weiter ziehen und nicht unnötig lang im Ungewissen.

Klar, wenn wir jemand eine offene Abfuhr erteilen, dann trifft es ihn oft bis ins Mark. Wir tun dem andern weh – aber es ist fair.

Ehrlichkeit ist das größtmögliche Geschenk, das wir uns gegenseitig machen können. Jeder von uns hat verdient zu wissen, woran er ist.

Manchmal passt es einfach nicht.

Ehrlichkeit lässt uns in guter Erinnerung bleiben. Jedenfalls im Nachhinein, wenn der Schmerz verebbt ist…

Im Idealfall lassen wir den anderen (trotz unserer Spiegelneurone) in seinem Schmerz-Moment nicht alleine. Vielleicht halten wir sogar ein paar Beschimpfungen und Tränen aus.

Und am Ende trinken wir nach Jahren ein Bier und erzählen uns, wie gut es ist, dass aus uns nichts geworden ist…

Wie sieht es bei Dir aus – Kennst Du das Gefühl jemanden nicht verletzen zu wollen?

 

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