Urteile: Warum sie uns blind machen

Mit einer Sache sind wir Menschen meist schnell dabei: Urteile und Meinungen über unsere Mitmenschen auszutauschen.

Der Typ mit den schäbigen Klamotten ist bestimmt arbeitslos und ein totaler Messie. Die Frau mit dem Übergewicht hat sich bestimmt einfach nicht unter Kontrolle und stopft den ganzen Tag nur Süßes in sich rein. Der Mann mit dem Porsche ist garantiert ein lächerlicher Poser und macht krumme Geschäfte…

Woher nehmen wir eigentlich die Arroganz zu wissen, was wirklich in einem anderen Menschen vorgeht?

Ob jemand undiszipliniert oder einfach nur ernsthaft krank ist? Oder ob jemand ein schlechter Mensch ist oder einfach nur Spaß an schönen Dingen hat oder hart arbeitet?

Urteile machen unser Leben eng

Unser pauschalisiertes Schubladendenken hilft uns die Fülle der Eindrücke und Wahrnehmungen des Tages, in überschaubare Kategorien zu packen. Gleichzeitig hindert es uns daran Dinge und Menschen so zu sehen, wie sie hinter der oberflächlichen Fassade tatsächlich sind.

Urteile machen uns blind

Wir verpassen durch Meinungen, Annahmen und Urteile zu sehen, wie die Dinge wirklich sind.

Wie fühlt es sich an in einer Welt zu leben, in der ständig Urteile getroffen werden? Ganz unabhängig davon, ob Du selbst der Richter bist oder ob über dich gerichtet wird.

Wie fühlt es sich an, wenn jemand dir erklären will, dass du deinen Partner oder deine Partnerin nicht lieben kannst, weil er oder sie jünger oder älter ist? Oder wenn jemand bestimmt, dass du nicht fühlen solltest, was du fühlst?

Dem Leben sind unsere Urteile egal, es drückt sich einfach aus

Urteilen heißt kennen. Besser wissen. Ich habe einen Masterplan.

Andere Menschen sind keine Dinge, die ich beurteilen kann

Wir Menschen sind zum Glück nicht standardisiert oder festgelegt. Mein Urteil ist ein Urteil unter Millionen. Ich kann niemanden, der lebt und atmet, wie ein genormtes Objekt betrachten.

Die innere Wahrheit hinter einem Vorurteil ist oft viel schöner, liebenswerter und interessanter, als wir es uns je vorstellen können. Mit Respekt und Demut vor der Andersartigkeit und ehrlichem Interesse an dem Wahrhaftigen, das sich hinter einer oberflächlichen Fassade verbirgt, kann zwischen mir und anderen eine echte Begegnung stattfinden.

Meine Urteile und Meinungen machen mich blind für die Schönheit des Lebens

Sie verhindern, dass ich erkennen und erleben kann wie vielschichtig, kreativ und bunt das Leben außerhalb meiner vorgefertigten Schubladen ist. Und halten mich gefangen in einer engen, kleinen Welt in die nichts Neues eintreten kann. Urteile versperren mir die Sicht auf alles, was außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt.

Ich suche vielleicht schon mein Leben lang nach meinem Mr. oder meiner Mrs. Right und glaube er oder sie müsse in einer bestimmten Art und Weise sein. Dabei verpasse ich womöglich den Menschen wahrzunehmen, der unglaublich gut zu mir passt und mir gerade gegenüber steht.

Wo kommen unsere Urteile her?

Oft sind unsere Urteile nicht mal unsere eigenen, sondern solche, die wir von unseren Eltern oder frühen Bezugspersonen übernommen und nie hinterfragt haben. Jetzt spielen sie sich in uns auf wie kleine Götter und wollen uns weiß machen, wie die Welt funktioniert, wie man zu sein hat und wie es geht. Oder warum es nicht funktioniert, was noch fehlt, wo der Haken ist.

Dabei sind sie nichts als unfreundliche Gedanken, die kaum etwas mit der lebendigen Wirklichkeit des Lebens zu tun haben.

Die Tür öffnen

Meinungen und Urteile sind wie Kristallisationen oder geschlossene Türen. Sie sind starr und unbeweglich. Das echte Leben ist in Bewegung, kreativ, neu und immer überraschend. Wir können die Tür aufmachen und das Leben endlich reinlassen. Wer weiß, vielleicht steht die nächst Überraschung schon in ungewohnter Verpackung davor?

Wann hat dich das Leben das letzte Mal überrascht?

Alles Liebe,

Bine

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