Sich schämen: Wofür ist es gut und wann wird es ungesund?

Kennst Du das – sich schämen?

Wann hast Du Dich das letzte Mal geschämt?

Sich schämen ist eine Empfindung, die wir wahrscheinlich alle kennen. Sie gehört wie alle anderen Gefühle zum menschlichen Erleben.

So verkehrt kann es also nicht sein.

Scham schwingt allerdings auf einer sehr niedrigen Frequenz und wird von vielen Menschen als eines der unangenehmsten Gefühle überhaupt beschrieben.

Warum es wichtig ist, mit seinem Schamgefühl in Kontakt zu sein und wann wir uns unnötig damit bestrafen, davon handelt dieser Blogartikel.

Sich schämen ist nicht unbedingt schlecht

Unsere Gefühle sind kein genetischer Konstruktionsfehler oder eine üble Laune der Natur. Sie helfen uns, uns zu orientieren und auf unterschiedliche Umstände angemessen zu reagieren.

Ein Schamgefühl zeigt uns, dass wir uns falsch verhalten und hilft uns im positiven Sinne bei der Frage:

Was für ein Mensch möchte ich sein?

Wie verhalte ich mich z.B. so, dass ich nach einer Party mit viel Alkohol am nächsten Tag noch in den Spiegel schauen kann. Oder wie fühlt es sich an, jemand anderen zu enttäuschen und möchte ich solche Gefühle bei einem anderen Menschen (oder mir selbst) auslösen?

Im positiven Sinne führt sich schämen zu Demut, im negativen (ungesunden Sinne) zur Selbstzerfleischung.

Ungesundes sich schämen entsteht sehr früh in der Kindheit

Wir werden nicht gesehen und angenommen und glauben, dass es tief in uns etwas grundsätzlich Dunkles, Böses und Hässliches gibt.

Das verschließt uns vor uns selbst und vor anderen.

Beschämen passiert meist in der Kindheit und ist keine Seltenheit.

Hier einige Faktoren, die dazu beitragen:

1. Wir werden nicht in unserer natürlichen Lebensenergie unterstützt

In unserer Freude, unserer Wut oder unserem Schmerz. Oft haben die Menschen, die uns geprägt und aufgezogen haben, eine negative Einstellung zur Lebendigkeit und geben ihre eigenen Muster der Unterdrückung an uns weiter.

Unserer natürlichen Lebensenergie zu vertrauen ist wichtig, um ein gutes Selbstwertgefühl zu bekommen.

2. Wir wurden missbraucht

Nicht unbedingt körperlich. Missbrauch kann emotional oder psychisch stattfinden. Da wir in der Regel zu klein sind, um zu überblicken, was hier mit uns geschieht, geben wir uns selbst die Schuld an der Art wie wir behandelt werden.

3. Physisch oder emotional verlassen werden

Wir geben uns auch hier die Schuld dafür und glauben, dass wir grundsätzlich falsch sind, wenn uns jemand keinen Halt gibt und uns alleine lässt – physisch oder emotional.

4. Von einem narzisstischen Elternteil aufgezogen werden

Hier werden wir nicht gesehen und wahrgenommen, wie wir sind. Wir müssen die narzisstischen Bedürfnisse eines Elternteiles befriedigen und werden als seine persönliche Erweiterung genutzt. Lügen, manipulieren, Gefühlskälte, Kritik und mangelnde Empathie lassen unseren Selbstwert einfrieren.

Lesetipp: 5 Anzeichen, die darauf hin deuten, dass Du es mit einem Narzissten zu tun hast

5. Herablassend behandelt werden

Es wird uns nichts zugetraut und wir werden in einer schwachen, hilflosen Position gehalten.

6. In bestimmte Rollen gepresst werden

Wir glauben, dass unser Wert davon abhängt, bestimmten Rollen gerecht zu werden. Rollen, die meist nichts mit unserem wirklichen Wesen zu tun haben.

7. Strenge Restriktionen

Zu viele Regeln und Verbote, die uns am Experimentieren und forschen hindern und unsere Lebensenergie unterdrücken.

8. Von der Negativität und  dem Leid eines Elternteils infiziert werden

Wir absorbieren die Schwingung derer, die sich um uns kümmern.  Die Negativität der Eltern kann zu unserer eigenen werden.

Lesetipp: Warum uns Schlussmachen so schwer fällt – Spiegelneurone

9. Verglichen werden

Mit Geschwistern verglichen zu werden, kann beschämend sein und wird unserer Einzigartigkeit nicht gerecht.

10. Geheimnisse

Hier entsteht ein tiefes Gefühl der Unsicherheit und Unwirklichkeit. Wir beginnen an unserer Intuition und unseren Gefühlen zu zweifeln, wenn uns jemand immer wieder glauben lässt, mit unseren Vermutungen und Gefühlen falsch zu liegen.

11. Man gibt uns vor, was wir sagen, denken oder fühlen sollen

Das lässt uns keinen Raum selber zu entdecken, was wir tatsächlich denken und fühlen und beraubt uns unseres Urvertrauens.

12. Gedemütigt, gehänselt und kritisiert werden

Das löst das Gefühl, nicht richtig, falsch, dumm oder schlecht zu sein in uns aus und ist sehr beschämend.

Alle Punkte haben zur Folge, dass wir den kritischen, urteilenden Stimmen in uns irgendwann mehr glauben schenken, als auf unsere authentischen Impulse zu vertrauen.

Wir wirkt sich „sich schämen“auf unsere Beziehungsfähigkeit aus?

Beziehungen werden durch Angst, Scham und Selbstzweifel beeinträchtigt.

Manchmal wird unser Schamgefühl erst getriggert, wenn uns die Liebe begegnet.

Sich schämen bedeutet auch immer, den eigenen Wert nicht zu spüren

Wenn wir unseren Selbstwert nicht mehr spüren, dann gehen wir davon aus, dass wir es nicht verdienen geliebt zu werden. Diesen Verlust von Selbstwert nennt man Scham. Wir schämen uns für uns selbst. Scham ist ein tiefes Gefühl der Unsicherheit, wir vertrauen unseren Gefühlen nicht oder kennen sie gar nicht und fühlen tief im Inneren, falsch und nicht gut genug zu sein.

Wenn wir uns schämen, pendeln wir hin und her zwischen dem Gefühl, wertlos oder grandios zu sein, zwischen Zusammenbruch und Überschätzung.

Ein ungesundes Schamgefühl führt dazu, dass wir uns in Beziehungen mit wenig Nähe und Lieblosigkeit abfinden, weil wir glauben, dass wir ohnehin nichts Besseres verdient haben.

Sich schämen ist eine Schicht unseres Seins, die wir erforschen müssen, wenn wir uns wirklich kennen und annehmen wollen.

Was hält die (ungesunde) Scham am Leben?

Ungesunde Scham entsteht aus dem Gefühl des Getrenntseins von uns selbst. Wir ruhen nicht in dem Wissen, wer oder was wir eigentlich sind. In diesem Zustand der Trennung bauen wir unseren Selbstwert auf dem auf, was wir darstellen oder was andere über uns denken, anstatt die einzigartige heilige Präsenz zu fühlen, die uns beseelt.

Im Leben geht es ums Berührt sein, um Beziehungen und Verbundenheit und das geht nur über alle unsere Gefühle.

Wenn wir unser Schamgefühl nicht kennen und erforschen, dann fällt es schwer in einer wirklichen Verbindung mit uns selbst und anderen zu sein. In Verbindung sind wir nur, wenn wir wahrhaftig und offen mit dem sind, was tatsächlich da ist.

Wenn Du das Gefühl hast, nicht wirklich in Kontakt mit Dir und Deinen Gefühlen zu sein, dann schau doch mal auf meiner Seite ERGO/ART vorbei. Vielleicht spricht Dich mein Ansatz an.

Ich freue mich von Dir zu hören!

Alles Liebe,

Bine

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