Schuldgefühle: Wie Du am besten mit ihnen umgehst

In diesem Artikel geht es um Schuldgefühle und Selbstvorwürfe – wie sie entstehen und was wir gegen den giftigen Einfluss, den sie auf uns haben, tun können.

Ich weiß nicht, was ich bei dir falsch gemacht habe.

Siehst du nicht wie unglücklich du deine Mutter machst?

Du solltest dich schämen, so etwas zu sagen.

Mein Schatz, ich habe doch niemanden als dich.

Jetzt reiß dich mal zusammen, was sollen den die Leute von uns denken.

Und das ist jetzt der Dank…

Kommen dir solche Sätze aus deiner Kindheit bekannt vor?

Meist bekommen wir als Kind jede Menge solcher oder ähnlicher Botschaften zu hören, die Schuldgefühle in uns auslösen.

Diese Botschaften sickern ungefiltert ein in unser reines, unschuldiges Wesen. Uns wird vermittelt: Ich mag dich nur, wenn du dich so verhältst wie ich das möchte. Du bist verantwortlich dafür, wie ich mich fühle.

Wenn wir als Kinder auf die Welt kommen sind wir völlig abhängig von unsern Eltern und deren Liebe und Zuwendung.

Kein Wunder also, dass wir uns schlecht und schuldig fühlen und die Aussagen unsere engsten Bezugspersonen nicht in Frage stellen, um unser Überleben zu sichern.

Wir lernen, was richtig und falsch ist und entwickeln Schuldgfühle, wenn wir gegen diese ungeschriebenen Gesetze verstoßen. Unsere Eltern müssen uns diese Regeln nicht verbal vermitteln, vieles läuft auch über nonverbale Signale. Mimik und Körpersprache können ebenso verurteilend sein, wie Ablehnung und Liebesentzug.

Als Erwachsene brauchen wir unser Eltern nicht mehr, um uns zu kritisieren und zu verurteilen. Wir übernehmen den Job selber in Form eines inneren Richters. Der kann je nach Prägung von nörgelig bis bösartig sein.

Warum ist es so schwer aus der Falle der Selbstverurteilung und den daraus resultierenden Schuldgefühlen auszusteigen?

Hier drei entscheidende Gründe für Schuldgefühle:

1. Wir gefährden die Zugehörigkeit zum Familiensystem

Von Familienaufstellungen wissen wir ja, dass es so etwas wie ein unsichtbares Band zwischen Eltern und Kindern gibt und dass Kinder oft aus Liebe bestimmte Lasten der Eltern oder Ahnen mittragen.

Sprich nicht über bestimmte Themen, sei rücksichtsvoll, halte dich zurück…

Wenn ich aus einer Familie komme, in der es bestimmte Regeln und Gesetze gibt, gefährde ich meine Zugehörigkeit zum Familiensystem. Und das löst Schuldgefühle aus.

2. Die alten Prägungen und Konditionierungen werden zu festen Programmen

Um in unserer Familie weiterhin dazu zu gehören und zu „überleben“ sind wir gezwungen uns anzupassen. Wir verinnerlichen die Familiengesetze und entwickeln Strategien, um uns selbst in Schach zu halten. Immerhin wurde uns ja vermittelt, dass wir, so wie wir sind, nicht in Ordnung sind – womöglich sogar böse. Unser Verhalten wird zu einem automatisierten Prozess, wir verhalten uns wie ein Programm, das sich immer wieder abspult.

Wie wirkt sich so ein Programm wie Ich muss immer lieb sein oder Ich darf niemanden enttäuschen auf mein aktuelles Leben aus?

  • Ich vermeide es  zu sagen, was ich denke
  • Ich entwickle unzählige Strategien, um vor mir selber zu verbergen, was ich wirklich denke und fühle
  • Meine Art zu kommunizieren wird schwammig
  • Ich versuche nur gute Dinge zu tun
  • Mir darf kein Fehler unterlaufen
  • Der innere Richter verurteilt mich ständig für Dinge, die gegen die alten Regeln verstoßen

3. Wir kennen uns nicht außerhalb des Gewussten und misstrauen unseren Gefühlen und Bedürfnissen

Außerhalb des Programms, das wir oft über Jahre bedienen, kennen wir uns nicht. Oft wissen wir gar nicht, was wir selber wollen oder wie unsere eigentlichen Bedürfnisse aussehen. Wir verhalten uns so, wie andere es erwarten und sichern somit immer noch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die schon lange nicht mehr existiert.

Programminhalte sind massiv und werden oft überhaupt nicht mehr in Frage gestellt. Darüber hinaus macht es uns Angst, aus einem festgelegten Programm auszusteigen, weil es unsere bisherige Identität gefährdet.

Bedürfnisse zu äußern und authentisch zu sein hat auch immer mit Verlustängsten zu tun

Unbewusst erlauben wir uns nicht bestimmte Gefühle zu fühlen oder entscheiden uns bestimmte Gefühle als böse/unmoralisch oder falsch anzusehen. Wut und Traurigkeit sind in vielen Familien Tabugefühle.

Wie befreie ich mich von Schuldgefühlen?

Ich beginne damit meinen eigenen Wahrnehmungen wieder zu trauen und mich mir selbst gemäß auszudrücken.

Gerade dann, wenn ich immer nur mit meinen Antennen im Außen war und mir sehr wenig über meine Wünsche und Bedürfnisse bewusst bin, ist es wichtig empathisch für mich selbst zu werden.

Anstatt auf den andern zu schauen, geht es darum, wieder mehr auf sich zu schauen. Auf das, was man im jeweiligen Moment braucht.

Egal für was wir uns schuldig fühlen: Wir können Entscheidungen immer nur aus der Aktualität des Augenblicks fällen. Falls wir etwas getan haben, das wir heute bereuen, nutzt es niemanden uns weiterhin dafür zu bestrafen. Dinge passieren, wir lernen daraus und können es beim nächsten Mal besser machen.

Schuldgefühle verhindern, dass wir in unsere Kraft gehen

Wir wenden uns von unseren echten, authentischen Impulsen ab, sagen nicht was wir denken und passen uns an – im Sinne des Programms, der ungeschriebenen Gesetze und Regeln. Im Prinzip funktionieren wir immer noch im Überlebensmodus und verhalten uns wie das kleine Kind, das keine andere Wahl hatte.

Zeit aus solchen Programmen auszusteigen, oder was meinst Du?

Alles Liebe,

Bine

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