Introvertiert? 5 Tipps für Dich und Dein Kind

 

Schlägst Du manche Einladungen zugunsten eines guten Buches aus? Wird Dir nach gesagt, dass Du zu verkopft bist oder zu unlocker?

 

Vielleich kommen Dir auch solche Sätze bekannt vor:

 

  • Geh doch mal mehr aus Dir raus.
  • Bring dich doch mal mehr ein.
  • Du bist ja schon wieder so still…

 

Falls ja, dann liegt es nahe, dass Du zu den introvertierten Persönlichkeitstypen zählst.

 

Introvertierte und extravertierte Geschöpfe gibt es nicht nur unter Menschen, sondern auch in allen Gattungen des Tierreichs.

 

Studien zeigen, dass 30 bis 50 % aller Menschen introvertiert sind.

 

Das mag überraschen – was vor allem darin liegt, dass sehr viele Menschen vorgeben, extravertiert zu sein.

 

Ein künstliches Idealbild

 

Wir leben in einer Welt, die vom Ideal der Extraversion geprägt ist.

 

Uns wird eingeredet, dass Menschen die etwas erreichen wollen dominant, laut und kontaktfreudig sein sollten.

 

Der Idealmensch ist gesellig und fühlt sich im Rampenlicht wohl. Er hat Unmengen an Facebook likes, Spaß ohne Ende, ist immer unterwegs und liebt es vor großen Menschenmengen zu reden.

 

Empfindsamkeit, Ernsthaftigkeit und Schüchternheit gelten nach wie vor als Makel.

 

 

Völlig zu unrecht.

 

Viele der erfolgreichsten Menschen sind leise Persönlichkeiten:

 

Sir Isaac Newton, Albert Einstein, Steven Spielberg, J.K. Rowling, Larry Page, Loriot, Warren Buffet…

 

Introvertierte sind in der Regel:

 

  • Viel tiefer in einem Thema drinnen
  • auf Aufgaben und Herausforderungen besser vorbereitet
  • ruhiger und besonnenere, wenn sie etwas sagen
  • aufgrund ihres sanften Untertones können sie auch mal ein paar krasse Wahrheiten auf den Tisch legen, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen
  • Sensibler gegenüber Zwischentönen und sie verfügen über eine komplexere Emotionalität

 

Unterschiedliche Bedürfnisse

 

Viele Introvertierte mögen keinen Small Talk, lieben aber intensive Gespräche. Oft hören sie mehr zu, als zu reden.

Das gilt natürlich nicht für alle und nicht für jede Situation.

Denn: Die introvertierte Person gibt es nicht.

Nicht jeder Introvertierte ist ein Bücherwurm und nicht jeder Extravertierte ein Partylöwe.

Klingt abgedroschen, aber natürlich ist jeder Mensch einzigartig und so sind auch verschiedenste Aspekte der Introversion mehr oder weniger ausgeprägt.

 

Ein entscheidender Unterschied zwischen den zwei Persönlichkeitstypen:

 

Introvertierte regenerieren sich, wenn sie alleine (oder zu zweit) sind. Bei Extravertierten ist das Gegenteil der Fall. Sie ziehen Energie aus dem Kontakt mit anderen Menschen und müssen sich regenerieren, wenn sie nicht genügend Kontakte haben.

 

Parallelen zur Hochsensibilität

 

Introversion und Hochsensibilität gehen oft Hand in Hand. Müssen aber nicht zwingend gekoppelt sein. Laut Susan Cain ist nicht bekannt, wie viele Introvertierte Hochsensibel sind. Aber 70 % der Hochsensiblen geben an introvertiert zu sein. Die anderen 30% geben meist an, dass sie viel Zeit für sich brauchen.

 

Wer am lautesten schreit bekommt häufiger, was er möchte…

 

In den USA ist Geselligkeit und Kontaktfreudigkeit ein absolutes MUSS.

 

Reden auch.

 

Dozenten der Harvard Business School empfehlen ihren Studenten:

 

Selbst dann, wenn man nicht mal halbwegs überzeugt von einem Thema ist, sollte man es mit hundertprozentiger Überzeugung vortragen.

 

Diversen Studien zufolge werden gesprächige Menschen als besser aussehend, interessanter und wünschenswertere Freunde beurteilt.

 

Redefreudiger Menschen erscheinen uns als klüger als Stille.

 

Andere Studien bestätigen: Der Schein trügt.

 

Wär hätte das gedacht…:)

 

Ein großer Redefluss und lautes, dominantes Auftreten, geht nicht automatisch mit mehr Klugheit einher.

 

 

Stärkerer Fluchtreflex

 

Introvertierte haben häufig größere Probleme vor vielen Menschen zu reden.

Die Angst vor einer Gruppe aufzutreten ist eine menschliche Urangst.

Wenn ein Reiz als gefährlich eingestuft wird, regiert unser Gehirn reflexartig. Der Körper schüttet Adrenalin aus und bereitet sich auf motorische Höchstleistungen vor. Unsere Vorfahren sollten flüchten oder kämpfen und nicht erst lange überlegen, was zu tun ist. Dieser „Fluchtreflex“ scheint bei introvertierten Menschen stärker ausgeprägt zu sein.

 

Extravertierte sind eher bereit höhere Risiken einzugehen (nicht unbedingt ein Vorteil bei riskanten Börsenspekulationen).

 

Sind Introvertierte ungesellige Typen?

 

Nein.

 

Susan Cain sagt: Sie sind anders gesellig als Extravertierte. Das Bedürfnis nach Nähe, wie Psychologen es ausdrücken, ist bei beiden Typen anzutreffen.

 

Extravertierte lieben die Stimulation in einer geselligen Runde, während Introvertierte oft einen kleineren Kreis an Menschen bevorzugen.

 

Introvertierte sind meist sehr empathisch und bedacht und vermeiden es andere zu verletzen. Sie neigen zu starken Schuldgefühlen, weil sie sich von Emotionen anderer stärker berühren lassen.

 

Sanft heißt nicht gleich lieb

 

Viele soziale Eigenschaften zu haben heißt nicht, dass man ein Engel oder ein besserer Mensch ist. Diese Erkenntnis kann oft zu herben Enttäuschungen führen. Jemand der nicht gerne vor Gruppen spricht oder sich nicht in den Vordergrund drängt ist nicht automatisch genügsam und harmlos.

 

 

Stille Kinder

 

Introvertierte Kinder gelten noch heute als Problemfälle.

 

Ach Gott, ach Gott, was soll nur werden, er sagt schon wieder nix…Und die Tante Ilse bekommt wieder kein Bussi.

Introversion ist nichts, was sich jemand aussucht, und nichts, das man ändern kann. Als Erwachsener kannst Du natürlich lernen damit umzugehen. Meistens trainieren sich Introvertierte Eigenschaften von Extravertierten an.

 

 

Hier 5 Tipps von Susan Cain, wie Du Dein introvertiertes Kind unterstützen kannst:

 

  1. Viele introvertierte Kinder verstummen in Gruppen mit Fremden. Das heißt, Lehrer in der Schule haben oft keine Ahnung davon, wie sich diese Kids verhalten, wenn sie sich wohl fühlen und entspannt sind. Also macht es Sinn, in der Schule darauf hinzuweisen, introvertierte Kinder nicht ausschließlich aufgrund ihrer mündlichen Beteiligung zu beurteilen und ihnen die Möglichkeit zu geben, in kleinen Gruppen zu arbeiten.
  2. Wenn Dein Kind schüchtern ist, dann solltest Du es in seiner Gegenwart nicht so nennen. Sonst wird es seine Nervosität oder Unsicherheit als unveränderbare Charaktereigenschaft erleben. Auch kleine Kinder wissen meist, dass Schüchternheit in unserer Welt nicht als Kompliment gemeint ist.
  3. Wenn andere Dein Kind schüchtern nennen (das wird vorkommen), dann wandle die Bemerkung etwas ab: Ja, er beobachtet gerne erst mal seine Umgebung, bevor er loszieht..
  4. Ein introvertiertes Gehirn wird vom sozialen Austausch viel stärker stimuliert als das eines Extravertierten. Gönn Deinem Kind Rückzug, Ruhe und Regenerationsphasen, in denen es alleine ist und wenig Reizen ausgesetzt ist.
  5. Alles was Du an Dir selber angenommen hast, kannst Du auch an Deinem Kind annehmen. Das heißt, in erster Linie solltest Du selbst Dein So-Sein annehmen und Deinem Kind mit gutem Vorbild voran gehen. So lange Du noch das Bedürfnis hast, so laut, dominant und robust wie viele Mitmenschen zu sein, verleugnest Du, wer Du bist und was Dich ausmacht. Das ist Energieverschwendung. Du versuchst jemand zu sein, der Du nicht bist. Das ist immer schmerzhaft und nimmt Dir Deine eigentliche Kraft.

 

Wenn wir anders sein sollten als wir sind, hätte die Natur uns so entwickelt.

 

Wieso haben besonders sensible, introvertierte Exemplare die harte Auslese der Evolution überstanden?

 

Das für gibt es nur eine logische Erklärung:

 

Weil sie wichtig sind. Sie werden gebraucht. Sie sind richtig hier.

 

Also, beteiligt Euch ihr sanften Helden und macht diese Welt ein bisschen freundlicher und kreativer.♥

 

 

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2 Antworten

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