Harmonie: Warum sie uns nicht weiter bringt


Wir erziehen unsere Kinder dazu freundlich zu sein und sich nicht zu streiten. Wir wollen es schön und harmonisch und das, obwohl wir oft selber darunter leiden so harmoniebedürftig und wenig durchsetzungsfähig zu sein.

 

Wie kommt das eigentlich?

Viele von uns wissen nicht, wie sie als Erwachsene mit Konflikten umgehen sollen, weil wir niemals Konflikte als Kinder haben durften. Geschwisterkämpfe wurden sofort geschlichtet und Gegenargumente wurden nicht toleriert.

 

Harmonie, Frieden und Ordnung sind ein hohes Gut

 

Aber: Harmonie und Frieden, der aufgezwungen wird, ist nichts weiter als Unterdrückung und Verdrängung.

 

Es gibt natürlich gewisse Grenzen und Regeln, die wir als Vorbilder einhalten und unseren Kindern im Umgang miteinander vermitteln müssen: nicht schupsen, hauen oder treten… Dennoch ist es etwas anderes, unsere Kinder zu einem fairen Umgang miteinander zu motivieren, als sie zu „auf Harmonie programmierte Erwachsene“ zu trimmen.

 

Oft brauchen wir selber Jahre, um uns aus diesen auf Harmonie gepolten Mustern zu befreien. Wir erobern uns mühsam unsere abgespalteten Teile zurück, drücken Gefühle aus… und an unsere Kinder geben wir weiterhin ungefiltert das alte Harmonie Programm weiter.

Gefühle zulassen

Die Gefühle deines Kindes zuzulassen ist nicht bequem und wirkt erst mal chaotisch –  aber es ist lebendig und authentisch. Diese Authentizität geht ihnen sonst womöglich schon sehr früh verloren und entfremdet sie so, dass sie mit Mitte dreißig beim Psychologen sitzen und sich fragen, warum sie immer übergangen oder überrumpelt werden.

 

Die alten Harmonie Muster zu durchbrechen, fühlt sich vielleicht kurzfristig befremdlich und falsch an, aber langfristig führt es zu echten Menschen, die sich ungefiltert begegnen und wirklich wissen, woran sie beim Anderen sind.

Trigger aushalten

Wenn unsere eigenen Kinder miteinander streiten oder mit uns argumentieren, macht uns das oft wütend. Wir werden getriggert und möchten, dass sie aufhören. Aber um fähig zu werden, Konflikte zu lösen, muss ich ab und an Konflikte erleben. Im besten Fall Konflikte, die zu einer gemeinsamen Lösung führen. Ich muss in der Lage sein, meine Bedürfnisse, meine Unstimmigkeiten und meinen Unmut, auszudrücken. Wie sollen wir gesunde Kommunikation lernen, wenn wir immer nur „Ja“ sagen dürfen und uns an anderen orientieren „müssen“?

 

Unser Wille und unsere Bedürfnisse werden kollektiv von Anfang an als egoistisch oder unverschämt bezeichnet

Zu sagen, was wir uns wirklich denken und wünschen wird uns schnell abtrainiert. Wir lernen konsequent gegen unsere eigenen Vorlieben und Bedürfnisse zu handeln, um andere nicht zu verletzen, nicht zu enttäuschen oder um weiterhin dazu zu gehören. Wir müssen der komischen Tante ein Küsschen geben, überlassen die leckere Süßigkeit der quengelnden Cousine und erleben wie unsere Eltern ständig so tun, als wären Dinge, die uns schmerzhaft widerfahren, nicht so schlimm oder keinen Streit wert. Das der kleine Ludwig deine Sandburg kaputt gemacht hat ist doch gar nicht so schlimm, kein Grund zu weinen,  wenn Klein-Ida deine Polly Pocket Puppe in den Gulli schmeisst...

 

Sei mal nicht so empfindlich, nimm Rücksicht. Mit anderen Worten: Deine Bedürfnisse sind nicht wichtig. Dein Wille sowieso nicht.

 

Nach wessen Wille sollen den unsere Kinder eigentlich leben, wenn nicht nach ihrem eigenen?

 

Und wie sollen sie rausfinden, was sie wollen, wenn alles was sie wollen, unterdrückt wird, weil es zu:

  • laut
  • unhöflich
  • schmutzig     
  • weinerlich
  • schüchtern
  • zu irgendwie ist…?


Als Erwachsene sind wir Vorbilder

Wenn wir uns wirklich sein lassen, auch wenn das gesellschaftlich gesehen vielleicht manchmal unhöflich und unbequem scheint, dann können unsere Kinder auch sein, wie sie sind. Ihr authentisches Verhalten triggert uns dann nicht mehr.

 

Gar nicht so einfach…

 

Unhöflich ist es ja schon, wenn man ehrlich zugibt: Ich habe heute einfach keine Lust, etwas (mit dir) zu unternehmen. Selbst eine Absage muss harmonisch verpackt werden. Wir sind es nicht gewohnt authentisch miteinander zu reden und sehnen uns dennoch nach authentischen, echten Begegnungen. Immer nur vom andern her zu denken (wird er jetzt denken, dass ich ihn nicht mag, wenn ich sage, dass der Film mir nicht gefällt?) wird uns nicht zu einem echten Austausch bringen. Einen Austausch in dem jeder tatsächlich so sein darf, wie er ist, ohne vom andern zu erwarten, dass er anders ist.

 

Das Schöne ist: Die Menschen, die wirklich zueinander passen und miteinander in Resonanz sind, finden sich dann von ganz alleine. Während Beziehungen, in denen es nicht passt, ganz von selber auseinander gehen. Es könnte alles sehr viel einfacher sein, wenn jeder das täte, was er will und hinginge wohin es ihn zieht, anstatt sich irgendwo rein zu pressen und eine Pseudo Harmonie aufrechtzuerhalten, die in Wirklichkeit das Gegenteil von Harmonie ist.

 

Ich freue mich, über eine Nachricht von Dir!

Alles Liebe,

 Bine

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