Forschung: Was Flöhe mit Deiner Identität zu tun haben

 

Manchmal halten wir ja inne, beobachten uns im Alltag, in unseren Beziehungen, auf der Arbeit, im Leben allgemein und stellen fest:

 

Eigentlich will ich so, wie ich gerade bin, gar nicht sein.

 

Die Absicht uns zu ändern ist da.

 

Aber damit ist es nicht getan.

 

Ein Teil unseres Gehirns mag keine Veränderungen und versucht uns mit aller Kraft davor zu bewahren.

 

Durch Gedanken wie:

 

Es könnte noch viel schlimmer kommen, Anderen geht es auch nicht viel besser, Dafür ist es jetzt sowieso zu spät oder Das wird doch eh nix…

 

In dem alten Trott fühlen wir uns vielleicht nicht wohl, aber er ist  vertraut. Neues ist ungewohnt und schwer kalkulierbar. Das macht Angst.

 

Dann lieber das Beste aus dem Normalen machen.

 

Oft trauen wir uns nicht weiter und höher zu denken als bis zu den Gitterstäben in unserem Kopf.

 

Hierzu ein Experiment, das Wissenschaftler mit Flöhen durchführten.

Dabei zeigte sich:

Flöhe hüpften in einem offenen Glas so hoch sie konnten über den Rand hinaus. Daraufhin packten die Forscher die Flöhe zurück ins Glas und setzten einen Deckel drauf. Die Flöhe sprangen wieder so hoch sie konnten und stießen sich nun aber den Kopf. Das passierte ihnen einige Male und tat weh, bis sie lernten, nur noch bis kurz vor den Deckel zu springen. Dann nahmen die Forscher den Deckel des Glases wieder ab.

 

Und was machten die Flöhe jetzt?

 

Sie sprangen trotzdem nur bis kurz vor die Stelle, wo vorher der Deckel war. Der Deckel war nun in ihrem Kopf. Sie hatten das Vermeiden des Schmerzes so automatisiert, dass sie die veränderte Realität – der Deckel ist weg – gar nicht wahrnahmen. Das heißt, sie gaben sich damit zufrieden weniger hoch zu hüpfen.

Ähnlich eingeschränkt leben wir als Mensch, wenn wir unbewusst an einem alten Bild von uns festhalten und es nie wieder in Frage stellen.

Dabei geht es uns (wie dem Floh) um die Vermeidung von Schmerz.

Schmerz in verschiedenen Variationen: Ich bin nicht gut genug, Ich bin nicht wichtig, Ich bin zu klein, zu dumm, zu wenig…

 

Der Deckel im Experiment symbolisiert unsere unbewussten Schlussfolgerungen, Meinungen und Überzeugungen, die sich über die Jahre zu unserer IdentitätSo bin ich“ gefestigt haben.

 

Obwohl nur ein Konstrukt wiegt so eine Identität schwer.

 

„Wir wagen es nicht, weil es schwer ist, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“ – Seneca

 

 

Das Schöne ist: Wir haben immer die Wahl. Wir können alles beim Alten lassen, oder losziehen und uns ausprobieren. Wir können bleiben wie wir sind oder mutiger, wilder und freier leben.

 

Ich glaube, so eine über die Jahre geformte Identität wird man nie wirklich los.  Aber wir können sie ignorieren.

 

Wie wäre es mit ein bisschen höher hüpfen? Vielleicht tut es ja gar nicht weh?

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2 Antworten

  1. Katja sagt:

    Absolut wahr und leider auch traurig.
    Ich hoffe sehr, dass sich dies bald ändert und darüber hinaus der Mensch erkennt, bei weitem mehr zu sein als Materie.
    Schöner, kurzer und treffender Artikel. Werde das wohl die Tage visualisieren.

    Grüße,
    Katja

  1. September 26, 2019

    […] Eine Identität will ich nicht mehr loslassen. Sie macht mich aus. Ich richte mein Handeln nach ihr und möchte sie bestätigt sehen. Das Leben fügt sich dem. Das ist magisch, aber wahrscheinlich nicht unbedingt in Deinem Sinne… […]

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