Egal welches Ziel: Gefühle sind der Weg

„Eine Freude, eine Depression, eine Gemeinheit, eine plötzliche Erkenntnis kommen wie ein unerwarteter Besucher. Heiße alle willkommen und unterhalte sie.“ Rumi

Ein gesunder Umgang mit unseren Gefühlen ist die Voraussetzung für einen gesunden Körper. Viele alternative Therapierichtungen gehen schon lange davon aus, dass Energieblockaden immer erst in den feinstofflichen Körpern beginnen, bevor sie sich im physischen Körper manifestieren.

Im täglichen Leben gibt es viele Situationen, in denen wir unsere Gefühle nicht ausdrücken können. Wenn wir z.B. Verkäufer oder Therapeut sind und uns ein Kollege vor dem Kunden bzw. dem Patienten zurechtweist, können wir dem oft spontan nichts entgegensetzen. Wir können (aus Rücksicht, Respekt oder Harmoniebedürftigkeit) unseren Ärger nicht ausdrücken und schleppen ihn mit durch den Tag. Er bleibt als Verspannung in den Schultern oder irgendwo in unseren Zellen hängen. Am Abend wissen wir oft gar nicht mehr warum wir so erschöpft sind oder warum eine harmlose Bemerkung unseres Partners das Fass zum Überlaufen bringt.

Gefühle und Gedanken hängen immer zusammen. Man kann sie nicht isoliert voneinander betrachten.

Gefühle kommen nicht einfach so aus dem Nichts über uns. Meistens gehen ihnen stressige Gedanken voraus. Diese Gedanken lösen biochemische Prozesse aus, die als Gefühle (wie Freude, Ärger oder Trauer) im Körper spürbar sind. Unabhängig davon, ob die Gedanken, die wir denken, wahr sind, sind die Gefühle, die wir spüren, real. Jeder Gedanke und jede Vorstellung  – egal ob positiv oder negativ – löst eine entsprechende Emotion im Körper aus.

Solange wir unsere Gefühle nicht ernst nehmen und als Teil von uns akzeptieren, trennen wir uns von unserer Lebendigkeit. Wenn wir morgens aufwachen und uns schlecht fühlen, dann sagen wir uns meist Dinge wie „Das passt jetzt gar nicht“ oder „Reiß dich zusammen“. Wir wollen unsere Unsicherheit oder unseren Ärger nicht fühlen.

Gefühle ernst nehmen

Wir haben schon früh gelernt, unsere Gefühle vor anderen zu verbergen. Das Problem ist, dass wir sie auch vor uns selber verstecken.

Möglicherweise bist du traurig darüber, dass eine Freundin im Vergleich zu dir den besseren Job hat. Vielleicht bist du auch neidisch auf das Liebesglück deines Arbeitskollegen. Nimm deine Gefühle ernst. Sie zeigen dir deine eigentlichen Bedürfnisse. Öffne dein Herz für deine Traurigkeit, deinen Ärger oder Schmerz. Solange wir Gefühle nicht wegdrücken, können sie keinen Schaden anrichten. Weine um deine geplatzten Träume, deine verpassten Chancen oder die Geborgenheit, die du nie hattest. Gefühle sind nichts weiter als eine Energie, die durch stressige Gedanken ausgelöst wird und – vorausgesetzt wir halten sie nicht zurück – einfach wieder verpufft.

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Wir glauben, wenn wir einem unangenehmen Gefühl nachgeben, dass es stärker wird und gar nicht mehr aufhört. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir unsere Gefühle akzeptieren und annehmen, dann verlieren sie ihre blockierende Kraft.

Du kannst nachmittags tottraurig sein und abends trotzdem zu einer netten Verabredung gehen. Womöglich war Deine Strategie bisher deine Traurigkeit wegzudrücken und dich mit Bier und Schokolade vor den Fernseher zu verziehen. Wirf die Schokolade lieber weg und gib dich deinem Gefühl hin. Wenn es verpufft ist, gehe einfach raus und genieße das Leben. Du wirst dich viel leichter fühlen, wenn du dein Gefühl vollständig gefühlt hast, als wenn du es unausgedrückt mitschleppst. Diese „Mitschleppen“ kostet Energie und Lebensfreude.

Gefühle zulassen

Wenn du ärgerlich darüber bist, dass du dich schon wieder geärgert habst, dann verurteilst du dich selbst. Du machst die Sache schlimmer als sie ist und kämpfst gegen deine erlebte Wirklichkeit. Akzeptiere einfach deine Gefühle und lasse sie zu.

Oft ist die Angst, ein bestimmtes Gefühl zu fühlen, viel größer als das tatsächlich körperlich spürbare Gefühl. Wir denken, wenn wir unsere Traurigkeit oder unseren Schmerz zulassen, dann zerreißt er uns. Wir befürchten er wird noch stärker und bringt uns um.

Dazu kommt: Wir wollen so nicht sein. Wir wollen nicht die Traurige sein, der Verbitterte oder die Gedemütigte. Wir glauben, wenn wir ein Gefühl fühlen, dass wir dieses Gefühl sind. Das ist natürlich nicht wahr. Dieser Gedanke lässt uns Angst vor unsern Gefühlen haben.

Du bist nicht dein Gefühl

Gefühle sind flüchtig. Sie sind keine Tatsachen oder Dinge. Sie kommen und gehen. Wir können sie nicht mit dem Verstand bearbeiten und hinterfragen. Im Prinzip ist es nichts weiter als die Angst vor unseren Gefühlen, die uns am Fühlen hindert. Wir wissen nicht, was uns erwartet. Ob es uns zerreißt oder auffrisst. Das Schöne ist, wenn wir diese Angst verlieren und das Gefühl fühlen, verliert es seine Macht. Wir erleben, dass es nichts weiter als ein Gefühl ist, das wir spüren (das gilt übrigens sowohl für negative, als auch für positive Gefühle).

Achtsam für die eigenen Gefühle werden.

Immer wenn du auf dein Leben schaust, es einfach beobachtest, dann bist du automatisch in der Gegenwart.

Achtsamkeit entsteht durch beobachten von ganz alleine.

Der einfachste Weg sich nicht in seinen Gefühlen zu verstricken, besteht darin, sie zu beobachten. Wir nehmen unsere Gefühle wahr und spüren sie. Und zwar in dem Moment, in dem sie auftreten. Durch das stille Lauschen der Reaktionen, die unsere Gefühle in unserem Körper auslösen, bleiben wir ganz bei uns. Wir nehmen unseren flachen Atem wahr, ein Ziehen im Bauch oder irgendeine Anspannung, die sich im Körper zeigt. Wenn wir unser Herz und unseren Verstand für das jeweilige Gefühl öffnen, dann kann es keinen Schaden anrichten. Wir bleiben mit allen Sinnen im Hier und Jetzt, ohne uns in Gedanken und Emotionen zu verstricken.

Reines Beobachten hilft, die Dinge so zu sehen und zu akzeptieren, wie sie sind. Das heißt nicht, dass wir uns gehen lassen und passiv werden. Wir versuchen nur nicht mehr mit unseren Gedanken an Dingen zu drehen, die wir ohnehin nicht ändern können oder Gefühle, die wir spüren, wegzudrücken. Stressige Gefühle lassen sich sowieso nicht einfach so „wegschieben“. Im Gegenteil. Wenn wir sie unterdrücken, dann beherrschen sie uns.

Fühlen macht frei

Je stärker ich etwas nicht fühlen will, umso mehr wird es mein Handeln beeinflussen und sich in irgendeiner Form in meinem Körper festsetzen. Wir handeln aufgrund unserer unterdrückten Gefühle indem wir vermeiden, kontrollieren, manipulieren oder kompensieren. Wenn wir unsere Gefühle annehmen, d.h. sie einfach spüren, können sie weiter fließen. Wir bieten ihnen keine Fläche, an der sie sich stauen können.

Wir sind immer mehr als dieses eine Gefühl oder dieser eine Gedanke. Je weniger wir unsere Gefühle und Gedanken für unsere absolute Wahrheit halten, desto eher können wir sie gehen lassen.

Annehmen ist der große Wandler, soll schon Laotse gesagt haben. Das, was wir akzeptieren ändert sich, weil wir es nicht festhalten und nicht ändern wollen.

Das Erstaunliche ist: Veränderung findet dann auf magische Weise von ganz alleine statt.

Lesetipp: Annehmen was ist – Warum es oft falsch verstanden wird

Schau dir doch zukünftig deine Gefühle mal genauer an. Betrachte das Ganze als Experiment. Sieh dich als stillen Zeugen, der beobachtet, wer da in deinem Körper haust. Das Ganze funktioniert am besten mit einer gewissen Neugier und Unerschrockenheit. Atme. Fühle. Ohne die Gefühle zu bewerten oder zu hinterfragen.

Es sind nicht die Gedanken oder Gefühle, die den Stress verursachen sondern ihr Festhalten.

Die Krux steckt im Anhaften, sagen chinesische Taoisten.

Unsere Gedanken und Gefühle verschwinden zwar nicht alleine dadurch, dass wir sie beobachten – aber wir kämpfen nicht mehr mit ihnen. Wir hören ihnen zu und fühlen sie. Wir reichen ihnen quasi die Hand und begegnen ihnen mit Verständnis, anstatt sie weghaben zu wollen. Das macht das Leben viel einfacher. Wir werden von uns selbst geführt und geben uns dem Fluss des Lebens hin. Wie schön…

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1 Antwort

  1. März 23, 2019

    […] wollen wir mit dem Kopf durch die Wand. Wir rennen und kämpfen für ein Ziel oder eine Idee und merken nicht, dass wir uns längst verrannt haben und gegen uns und das Leben […]

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