Drama: Warum wir es lieben

 

Heute ist es wieder passiert.

 

In mir lebt ein Teil der das Drama liebt.

 

Eigentlich war es ein schöner Morgen. Die Sonne schien. Alles lief soweit.

 

Dann diese Email – kein Hortplatz.

 

Ich rede es mir schön und versuche es erst mal zu banalisieren. Ach, da findet sich noch etwas, bestimmt ein Missverständnis, dann spare ich eben das Geld für die Betreuung der Kinder…

 

Ein paar Stunden später habe ich mich selber in einem Endzeitszenario wieder gefunden, von dem ich jetzt nicht mehr genau weiß, wie es dazu kam. Es war aber schlimm…

 

Wie kommt so etwas?

 

Wieso lieben wir das Drama?

 

Ich behaupte, dass der Hang Dinge zu dramatisieren, in jedem von uns in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden ist.

 

Im Drama wird es eng. Es besteht eine starke innere Anspannung. Ein Druck. Etwas in Dir fühlt sich getrieben an. Manisch. Die Gedanken rasen und wollen mehr.

 

 

Die Welt wird nur noch durch einen negativen Filter gesehen

 

Schlechte Emotionen gekoppelt mit automatisierten Gedanken wie, Ich werde es nie zu etwas bringen, Es ist aussichtslos, Immer mache ich die gleichen Fehler, geben dem Leben plötzlich eine dramatische Wendung, die eine gewisse (meist getriebene, hektische) Eigendynamik entwickeln. Der Teil in Dir, der das Drama liebt, erwacht. Er liebt diese negative Frequenz und ernährt sich von ihr. Du bekommst eine völlig verzehrte Wahrnehmung von Menschen und Ereignissen um Dich herum. Alles wird in Frage gestellt. Du siehst nur noch, was Deine negativen Annahmen bestätigt, alles andere wird ausgeblendet.

 

 

Das Drama liebt zwischenmenschliche Konflikte

 

Das Drama fühlt sich in Beziehungen besonders wohl. Hier können alte, im Körper gespeicherte Emotionen endlich wieder belebt und erneuert werden. Es kann abgehen und richtig knallen. Das Drama liebt Endzeitszenarien, Tränen, Wut und Aggressionen. Um eine Lösung geht es nicht. Es ist eine Art Relaunch eines alten Schmerzes. Das Drama möchte nicht gestoppt oder beschwichtigt werden.

 

Wir benutzen meist andere, um unser Drama auszuleben. Alleine kommen wir nicht ran an unsere alten, emotionalen Ladungen. Unser Partner aktiviert uns, wir merken es nicht und dann beschuldigen wir ihn oder werden aggressiv, das wiederum aktiviert ihn. Eine fatale Kettenreaktion in der besonders Paare feststecken. Solche dramatischen Streitereien tauchen oft periodisch auf. Sie entstehen aus Banalitäten und können sehr heftig werden. Oft weiß man danach gar nicht mehr, um was es eigentlich ging. Die Sache hat sich scheinbar geklärt. Doch das ist meist nur die Ruhe vor dem (nächsten) Sturm. Dann wiederholt sich das Spiel, indem man oft gefangen ist und das man zwanghaft wiederholen muss.

 

 

Der Schmerzkörper

 

Eckart Tolle hat hierzu den Begriff Schmerzkörper geprägt.

Der Schmerzkörper lauert wie ein Virus der jeder Zeit ausbrechen kann.

Am besten stellst Du ihn Dir wie ein kleines Wesen vor, das süchtig ist und um jeden Preis eine Portion Schmerz braucht. Unbewusst sucht es einen Grund, um sich im Schmerz oder Drama zu laben. Dieses kleine Wesen besitzt laut Tolle eine gewisse Schlauheit und wartet nur auf die nächste Gelegenheit, in der Du Dich wieder übergangen, nicht gesehen und ganz verletzlich fühlst. Oder Du einen vermeintlichen Fehler gemacht hast.

 

Das Gemeine: So ein Drama läuft meist völlig automatisiert ab. Es oder der Teil, der es herbeiführt, wünscht sich sogar, keinen Ausweg zu finden.

 

Was nutzt mir mein Drama?

 

Mein Drama nutzt nur dem Ego. Meiner Identität bzw. dem, was ich glaube zu sein. Dadurch, dass ich mich total mit dieser Identität identifiziere, kann es erst so ernst, eng und bedrohlich werden.

 

Oft liegt darunter eine Angst, die nicht gefühlt werden möchte – es ist einfacher ins Drama auszuweichen, als sich den Dingen (den eigentlichen Gefühlen) zu stellen.

 

Keine Verantwortung übernehmen

 

Im Drama bin ich schuldig. Ich bin Opfer. Manchmal auch der oder die Böse. Aber klassischerweise bin ich das Opfer. Ich bezeichne mich dann selber gerne als krank und handlungsunfähig. Wenn man krank ist, dann braucht man keine Verantwortung zu übernehmen. „Man“ ist entschuldigt.

 

Das Ego liebt es, sich als krank hinzustellen.

 

 

Aus der Dramaschleife aussteigen

 

 

Ein erster wichtiger Schritt: Die Bereitschaft aus dem Drama auszusteigen.

 

Dann hast Du die Chance zu entdecken, dass es einen Teil gibt, dem es Spaß macht im Drama zu leben. Der in einem gewissen Maß süchtig danach ist, unglücklich zu sein und Dinge zu dramatisieren.

 

 

Licht (Bewusstsein) ins Dunkel bringen

 

 

Das Problem ist, wenn ich nicht verstehe, dass in mir ein Programm abläuft. Und dieses Programm zu meiner Realität wird. Wenn mir das Programm oder das Drama als Drama bewusst ist, dann hat es keine Macht mehr.

Wenn ich es einfach (ohne eine Interpretation) sein lassen kann, dann bekommt es kaum Energie.

 

Kein Hortplatz? Fühlt sich Scheiße an. Schockierend. Ok, das ist nicht schön.

 

Aber das Dramatische (wie soll ich die Kinder den ganzen Nachmittag beschäftigen, mit meinen beruflichen Plänen wird es nie etwas, dass wird alles ganz, ganz schrecklich..) tue ich dazu. Meine Gedanken kurbeln das Drama an. Es wird zu einem automatisierten Programm, das wie von selbst abläuft.

 

Wenn kein Gedanke mehr zwischen mir und dem Moment steht – dann ist alles so, wie es ist. Meine Gedanken, Interpretationen, Gefühle und Befürchtungen sind zwar da – aber die Frage ist: Lenkt es mich ab? Oder lasse ich sie einfach nur auftauchen und mache nichts damit?

 

Gedanken können uns beflügeln oder vernichten. Je nach dem, ob und welche Umstände uns gerade begegnen.

 

Aus einem laufenden Drama auszusteigen, ist nicht ganz einfach. Das Einfachste ist es, eine generelle Bewusstheit für diese Prozesse zu entwickeln, um sie zu stoppen bevor sie richtig in Schwung sind.

 

Das klappt nicht immer.

Aber: Bewusstheit mag das Drama überhaupt nicht. Je unbewusster und automatisierter, desto besser lässt es sich hochschaukeln.

 

Es ist auch sinnvoll den Gedanken loszulassen, dass ein anderer Dich verstehen sollte. Oder rücksichtsvoller sein sollte, als er oder sie gerade ist (oder sein kann).

 

Die Welt ist komplex, vergänglich, spannend, bunt – aber sie ist nicht dafür gemacht, uns glücklich zu machen. Für unser Glück sind wir selber verantwortlich. Es liegt in der Tiefe unseres Seins. Wir finden es im Außen nicht. Auch wenn es Spaß macht, immer mal wieder dort zu suchen.

 

Alles Liebe.

 

Ich freue mich, von Dir zu hören ♥

 

 

 

 

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1 Antwort

  1. November 18, 2018

    […] Lesetipp: Drama: Warum wir es lieben […]

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