Double bind Botschaften: Warum jeder sie kennen sollte

 

Es gibt innerhalb der zwischenmenschlichen Kommunikation einen Sender und einen Empfänger. Das was zwischen den beiden gesendet wird bezeichnet man als Nachricht. Entscheidend ist, dass ein und dieselbe Nachricht viele Botschaften gleichzeitig enthält und diese Botschaften auch widersprüchlich sein können.

 

„Ich möchte, dass du tust, was für dich das Beste ist – ich werde mit der Einsamkeit schon fertig.“

 

Solche Verwirrspiele sind unter dem Fachbegriff „Double bind“ bekannt geworden. Derartige Botschaften wurden eine Zeitlang mit der Entstehung von Schizophrenie in Verbindung gebracht.

 

Sie wirken vor allem dann als Krankmacher, wenn der Empfänger vom Sender abhängig ist und der Situation nicht entfliehen kann. Das trifft auf alle Abhängigkeitsverhältnisse, aber insbesondere auf Kinder im Elternhaus zu.

 

Es wird nicht offen, klar und eindeutig kommuniziert

 

Bei Double bind Botschaften haben wir es oft mit inkongruenten Nachrichten zu tun: Hier passen sprachliche und nicht sprachliche Signale nicht zusammen und stehen im Widerspruch zueinander. Auf die Frage „Ist alles okay?“ antwortet jemand z.B.: „Alles in Ordnung!“, aber durch Tonfall und Mimik signalisiert er das Gegenteil.

 

 

Solche Nachrichten verwirren den Empfänger und enthalten oft widersprüchliche Handlungsaufforderungen. Der sprachliche Teil der Nachricht scheint zu sagen: „Kümmere dich nicht weiter um mich“, der nicht sprachliche Teil dagegen wirkt wie ein Hilferuf und legt den Appell nahe: „Kümmere dich um mich.“ Was auch immer der Empfänger tut, er kann es nicht richtig machen.

 

Hier ein paar Beispiele für Double bind Botschaften in der Kommunikation:

 

  • Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!
  • Tu was Du willst, aber enttäusche mich nicht.
  • Du kannst ausgehen, solange Du magst, aber komm nicht zu spät nach Hause.
  • Ich stehe hinter dir, aber bitte mach mich nicht unglücklich.
  • Das muss besser werden, aber ich will keine Veränderung.
  • Das hat keine Eile, muss aber spätestens morgen abgegeben werden.
  • Nur mal so grob drüber schauen, aber es darf kein Fehler drinnen sein.
  • Geh Dich ruhig amüsieren, ich bin es ja gewohnt immer alleine zu sein.

 

Double bind Botschaften führen bei Kindern besonders dann zur völligen Verunsicherung, wenn dem Kind seine eigenen Wahrnehmungen und Gefühle abgesprochen werden.

 

 

Verbot authentischer Wahrnehmungen

 

Beispiel 1: Wie kannst du bloß unglücklich sein. Haben wir dir nicht alles gegeben, was du willst? Wie kannst du nur so undankbar sein, dass du sagst, du bist unglücklich, nach allem, was wir für dich getan haben, nach all den Opfern, die für dich gebracht worden sind?“

Decodiert heißt dies: „Du hast nicht die Erlaubnis, dich unglücklich zu fühlen, weil wir es nicht so wollen; wenn du dich unglücklich fühlen willst, dann fühle dich auch schuldig dabei.“

 

 

Subtile Schuldgefühle schüren

 

Mutter zur erwachsenen Tochter: „So, du hast dir also wieder einen neuen Lippenstift gekauft…Tja, du weißt schon wie du auf deine Kosten kommst. Du bist da wie dein Vater, der wollte auch immer nur das Neuste und Beste haben. Ihr denkt immer nur an euch. Ich habe da irgendetwas falsch gemacht. Na ja, was soll’s.“

 

Decodiert heißt das: Du bist egoistisch und denkst nur an dich. Es ist nicht richtig, wie du bist. Dein Vater war auch schon so egoistisch und hat auf meine Kosten gelebt. Du solltest Dich schlecht und schuldig fühlen. Ich bin hier das Opfer. Aber das interessiert ja keinen.

 

Oder: Ach naja, ich denke nicht genug an mich. Die andern können das so gut.

 

Decodiert heißt das: Du bist egoistisch. Ich bin alleine und dir ist das egal. Du bist wie die anderen (die Bösen).

Für die Tochter ist es sehr schwierig hier metakommunikativ zu agieren, d.h. über den Ablauf der Kommunikation zu sprechen, ist fast unmöglich. Die Mutter würde ohnehin alles abstreiten und auf die Frage, ob es für sie ein Problem sei, wenn die Tochter sich etwas gönnt, sagen: Nein, nein ich will immer nur das Beste für dich…

 

Auch in Familien mit einem alkoholkranken Elternteil ist es oft normal, widersprüchliche Botschaften zu bekommen. Das Kind fragt die Mutter, ob sie getrunken hat. Die Mutter leugnet etwas getrunken zu haben, obwohl man es sieht und riecht. Sie leugnet es solange, bis das Kind das Spiel mitspielt und sich ihrer Wahrheit beugt. Auf Dauer ist das für ein Kind sehr verwirrend und schmälert das Vertrauen in Autoritätspersonen enorm.

 

Wenn wir von Menschen umgeben sind, die ständig Double bind Botschaften nutzen, fangen wir an uns selbst in Frage zu stellen, vor allem dann, wenn diese Menschen uns nah sind oder wir emotional in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen stehen. Durch ständig widerkehrende, widersprüchliche Nachrichten haben wir irgendwann das Gefühl, das mit uns etwas nicht stimmt. Wir trauen unseren eigenen Wahrnehmungen nicht mehr und das führt oft dazu, dass wir als Erwachsene schlechte Entscheidungen treffen und in ungesunden Beziehungen landen.

 

Bei Betroffenen herrscht im Nachhinein oft eine große Wut und Enttäuschung gepaart mit diffusen Schuldgefühlen. Es gilt alle diese Gefühle zu fühlen und zu verstehen: Du darfst und kannst Deiner Wahrnehmung jetzt trauen. Und Du darfst sehr wütend auf den Menschen sein, der Dir solche Botschaften gesendet hat. Das Problem ist nicht, dass wir wütend sind, sondern das wir uns dafür verurteilen wütend zu sein. (Es ist nur ein Gefühl – Du bist kein schlechter Mensch).

 

 

Absichtslos oder Machtinstrument?

 

Double bind Botschaften entstehen manchmal aus Gedankenlosigkeit. Oft ist der Sender mit sich selbst nicht ganz im Reinen und weiß wirklich nicht, was er will. Es herrscht ein inneres Kuddelmuddel. In manchen Fällen werden solche Verwirrspiele allerdings auch als Machtinstrument eingesetzt.

 

Wie Du Double Bind Botschaften erkennen kannst

 

Achten auf Deine Gefühle und Gedanken, wie zum Beispiel:

  • Aufkeimender Ärger oder Verwirrung
  • Der Gedanke: Ich verstehe überhaupt nicht, was er/sie von mir erwartet oder was ich tun soll
  • Diffuse Schuldgefühle
  • Hilflosigkeit
  • Überforderung

 

Wie geht man am besten mit Double bind Botschaften um?

 

Im beruflichen Kontext gilt:

Sachlich bleiben

Wiederhole, das was Du verstanden hast und frage den Sender, ob er es so gemeint hast. Hol Dir das Commitment des Senders ab. Versuche dabei so sachlich wie möglich zu bleiben und ignoriere den emotionalen Aspekt der Nachricht.

Geh auf die Meta-Kommunikationsebene

Leg die Widersprüche offen, so dass klar wird, dass unterschiedliche Anweisungen nicht gleichzeitig erfüllt werden können.

 Versuch es mit Humor

Ich verstehe nicht, was du sagst, aber ich mag die Art wie du denkst…

Ich habe die Aufgabe genau verstanden und bin mir sicher, du wirst nie mit dem Ergebnis zufrieden sein…

 

Fazit

 

Als Kind ist man Double bind Botschaften natürlich schutzlos ausgeliefert. Hier gilt es, sich klar zu machen: Als Erwachsener kann ich lernen, mich klar und deutlich auszudrücken und ich darf meiner Wahrnehmung wieder trauen. Das mag am Anfang schwer sein – aber es funktioniert nach und nach immer besser.

 

Wenn irgendwie möglich, dann vermeide es mit Menschen in Kontakt zu kommen, die in so einer Art und Weise kommunizieren. Das gilt natürlich auch für Erwachsene Kinder, deren Eltern immer noch widersprüchliche Nachrichten senden. Falls Du noch mit solchen Eltern zu tun hast, dann begegne ihnen bitte nur in gut verkraftbaren, homöopathischen Dosen.

 

Alles Liebe.

 

Hattest Du schon mal mit Double bind Botschaften zu tun?

 

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1 Antwort

  1. Februar 8, 2019

    […] Sie Komm-her-Geh-weg-Botschaften. Nonverbaler und verbaler Ausdruck sollten sich bei Ihnen immer widersprechen (traurig nach unten […]

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