Dieser Text ist für Dich, wenn Alkohol Thema Deiner Eltern war

 

Familien Tabu Alkohol: Warum Vertrauen Dein Thema ist

 

In einer Familie, in der zu viel getrunken wird, ist es normal, dass viel gelogen wird. Der, der zu viel trinkt, macht sich und den anderen etwas vor. Der Partner des Trinkers redet sich alles schön und verharmlost. Kinder solcher Paare müssen das Spiel mitspielen – ob sie wollen oder nicht.

Es tut weh, wenn wir merken müssen: Bei uns in der Familie läuft etwas schief. Hier wird zu viel getrunken.

Die Menschen, um uns herum, brechen ihre Versprechen und sind unzuverlässig.

Worte oder Bekenntnisse zählen nichts.

Alles mehr Schein als Sein.

 

Es kann jeden treffen

 

Die meisten Süchte dienen als Ablenkung von dem, was wirklich dran ist bei uns. Sucht betrifft nicht nur die unteren Schichten, die Asozialen. Sie betrifft alle und kommt in völlig unterschiedlichen Familienkonstellationen vor, in jeder Schicht. Alkohol ist eine Volksdroge.

 

In einer Welt von Süchtigen sind wir als Kind besonders mit den 5 folgenden Herausforderungen konfrontiert.

 

1. Wir fühlen uns anders als die anderen

 

Deine Familie war anders als die Deiner Freunde. Es galten andere Gesetze:

 

  • Rede nicht.
  • Vertraue nicht.
  • Fühle nicht.

 

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen…

 

Es gab keine Wahl: Du musstest die blaue Pille schlucken (Matrix, Neo – Du weißt schon…) und das Spiel mitspielen.

Ansonsten hättest Du die Zugehörigkeit zu Deinem Familiensystem gefährdet.

Damals gefühlt der sichere Tod.

 

2. Wir verlieren vertrauen

 

Das tut weh. Und dieser Schmerz muss gefühlt werden. Bis er uns loslässt und wir uns frei davon fühlen.

Aber: Wir können ihn nicht loslassen. Er lässt uns los.

Unsere Aufgabe ist es ihn zu fühlen. Erst dann kann er gehen.

Der Trick ist: Bereit sein, ihn den Rest Deines Lebens zu fühlen.

 

3. Wir werden angelogen

 

Warum tun sie uns das an? Wieso lügen sie und halten nicht ihr Wort? Wieso schenken sie uns keinen reinen Wein ein und sich dafür umso mehr?

 

Die Ursache einer Sucht ist meist Schmerz.

 

Der Süchtige lügt nicht, weil er Dich nicht wertschätzt. Er hat ein Problem. Er ist schwach und überfordert. Womöglich hasst er sein Leben, fühlt sich zu kurzgekommen und kann diese Erkenntnis nicht nüchtern ertragen.

Es ist sein Problem. Seine Sucht. Er ist den Dingen nicht gewachsen, fühl nichts und läuft weg…

Ein Süchtiger nimmt sich nicht wirklich wahr – aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht war sein Leben zu düster und unbefriedigend. Vielleicht konnte er nicht mithalten und musste sich schon immer verbiegen. Alkohol ist eine Strategie, um Schmerz zu verdrängen.

 

Eine Sucht ist auch immer eine Art Hilfeschrei: Schau hin, nimm Dich wahr, nimm wahr wer und was Du bist, trau Dich alles zu fühlen.

 

Dich trifft keine Schuld. Es ist, wie es ist.

 

Wenn ein anderer lügt, dann ist das seine Angelegenheit.

Diese Erkenntnis hat etwas Befreiendes.

Damals hattest Du keine Wahl. Heute kannst Du die Lüge, die Sucht, das Scheitern beim Anderen lassen und Dich um die Dinge kümmern, auf die Du wirklich Einfluss hast.

 

4. Wir leben mit Tabus

 

Alkohol in der Familie wird zum Tabu.

 

Es wird meist nicht über das Trinken geredet, sondern darüber, dass der Führerschein weg ist oder dass einen jemand verpfiffen hat („so ein Arsch – der hat ja erst neulich andere Saufkumpanen reingerissen. So etwas macht man doch nicht…). Brüderlichkeit und Ehrenkodex sind gern gesehene Thekengäste. Wenn man sie ansonsten braucht, lassen sie sich aber oft nicht blicken…

 

Ein Süchtiger kann keine Verantwortung übernehmen.

 

Weder für sich, noch für andere. Er ist krank und überfordert.

 

 

5. Wir müssen uns selber ignorieren

 

Du lernst schnell, das Thema Alkohol auszuklammern und bist Teil des Spiels:

 

 

  • schweigen
  • vergessen
  • verdrängen
  • verdrehen
  • nichts spüren

 

Du redest nicht mal mit Deinen engsten Freunden darüber, was bei Dir zu Hause los ist (viel zu peinlich).

 

Als Kind kannst Du immer nur vermuten, ob das, was Du in Deiner Familie siehst, mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

 

Die Realität wird konsequent verleugnet. Es geht um Geheimhaltung und mit der Wahrheit nimmt es niemand so genau. Du bist es gewohnt Deine Wahrnehmungen für Dich zu behalten und zu ignorieren. Bis Du ihnen selber nicht mehr traust.

 

 

Was kannst Du heute tun?

 

Deine Herausforderung ist: In die Selbstliebe und Selbstverantwortung zu gehen und Deinen eigenen Wahrnehmungen wieder zu 100% zu trauen.

 

Du kannst es nicht falsch machen.

 

Du bist einzigartig. Genau wie Dein Weg.

Niemand kann wissen, was für Dich das Beste ist. Außer Du selbst. Du kannst es nicht so machen, wie es ein anderer macht oder wahrnehmen wie irgendwer anderes. Niemand kann beurteilen, was für Dich richtig oder falsch ist. Vertraue Dir.

 

Lern Dich kennen

 

Das geht am besten, indem Du Dich voll und ganz zulässt mit allen Aspekten Deines Wesens. Erforsche und entdecke Dich. Auch wenn Dir nicht alles gefällt, was Du siehst. Es geht hier nicht um richtig und falsch oder gut und böse. Dein Verstand beurteilt Dich oft schon, bevor Du Dich überhaupt entdeckt hast. Lass ihn außen vor und lerne Dich völlig neu kennen, wertfrei ohne Urteil.

 

Die Mauer durchbrechen

 

Kinder, deren Eltern zu viel Alkohol trinken, leben oft in einer bedrohlichen Atmosphäre und fühlen sich schuldig dafür da zu sein, zu stören und den Eltern den Weg zu versperren…

 

Reiz doch den Papa nicht immer so!

 

Meinst du woanders wäre es besser?

 

Das Problem in solchen Familien sind nicht die verletzenden Sachen, die gesagt oder getan werden. Das Problem sind alle die Sachen, über die man hätte sprechen sollen, es aber nie tat. Das Mauern, das Totschweigen, die ungeschriebenen Gesetze und Tabus.

Der Vater liegt nackt auf dem Boden und flucht, Mama weint und will ihrem Leben am liebsten ein Ende setzen… und am nächsten Morgen sagen alle:

Alles super. Hauptsache die Straße ist gefegt und das Auto glänzt. Hier ist heute nicht so irre gute Stimmung. Aber, hey – alles in Ordnung! Bei uns läuft es…

 

Jetzt ist zum Glück jetzt

 

Es liegt in Deiner Hand, ob Du resignierst und das Vertrauen in andere Menschen verlierst, oder ob Du Dir sagst:

 

Ok, ich habe diese Erfahrung gemacht und sie war nicht schön. Ich bin nicht so sicher gebunden aufgewachsen, womöglich habe ich Probleme jemanden zu vertrauen (kein Wunder). Das ist eben so. Ich kann es trotzdem riskieren neue Erfahrungen zu machen, mich einzulassen und in Beziehung zu einem Partner zu gehen.

 

Jede weitere Begegnung, Beziehung oder Situation bringt neue Möglichkeiten Dir selbst und anderen neu zu begegnen.

 

Nimm einfach die rote Pille und wach auf. Es ist Dein Leben, Deine Wahrheit.

 

Lass niemanden dafür büßen, dass Du als Kind nicht vertrauen konntest. Vertrauen ist nur ein Wort, eine Idee – es geht nicht darum, Menschen damit zu überfordern unbedingtes Vertrauen von ihnen zu verlangen. Es sind Menschen, sie sind fehlbar. Besonders, wenn sie alkoholkrank sind. Aber Du kannst eine intime Verbindung mit dem Leben eingehen, mit der Existenz tanzen. Sie ist verlässlich. Darauf kannst Du immer vertrauen.

 

PS: Falls Du Probleme mit Nähe in Deinen Beziehungen hast oder dazu neigst, andere retten zu wollen. Diese beiden Artikel könnten Dir helfen:

 

Helfersyndrom: Wer hilft hier wem?

11 Anzeichen, die darauf hin deuten, dass Dein Partner ein Problem mit Nähe hat.

 

Hast Du schon Erfahrungen mit dem Thema Sucht gemacht?

 

 

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