Denkst Du Deine letzte Beziehung war umsonst?

 

Ich war verliebt.

 

Eigentlich war mir gar nicht klar, was ich so toll an ihm fand, aber er hatte das Gewisse etwas, das ich zu brauchen schien. Er war witzig und humorvoll und verstand es ganze Menschentrauben zum Lachen zu bringen.

 

Ich mochte seinen Humor, seine Schlagfertigkeit und seine Art die Dinge zu sehen. Er hatte etwas sehr Ehrliches und schien mir ernsthaft und tiefsinnig zu sein.

 

Ich war ihm im erweiterten Freundeskreis begegnet und hatte ihn schon eine Weile von der Ferne bewundert.

 

Nun war es soweit. Wir führten eine Beziehung.

 

Er war sehr kritisch. Zu sich selbst und anderen gegenüber.

 

Der Maßstab, mit dem er das Leben miss, hing sehr hoch.

 

Er empfand, dass ich nicht ernsthaft genug sei, mich nur um mich selbst drehe und dass meine Werte oberflächlich wären.

 

Wenn ich mich schick anzog, um ihm und mir zu gefallen, missfiel ihm das.

 

Was sollte das bezwecken?

 

Wen wollte ich so beeindrucken?

 

Ihn jedenfalls nicht.

 

Er vermutete ich sei besser dran mit einem Anderen. Einem dem Geld wichtig wäre und der es nötig hätte, zu protzen und zu prahlen.

 

So wollte ich nicht sein.

 

Er entschied welche Musik wir hörten, welche Filme wir schauten und wie unsere Freizeitgestaltung aussah. Oft traf das nicht meinen Geschmack, aber das schien mir nicht bedeutsam.

 

Ich zog alle Register, um ihm zu gefallen. Ich nahm ab, um etwas mehr wie seine Exfreundin auszusehen, trug nur noch die Kleidung die ihm gefiel, ließ das Auto stehen und machte mich bei seinen Kumpels beliebt. Er sollte und würde sein Herz für mich öffnen, da war ich mir sicher.

 

Freunden die bemerkten, dass ich mich zum Nachteil verändert habe, ging ich aus dem Weg. Ich zog mich von allem zurück und hatte nur noch meinen Frieden, wenn ich alleine oder mit ihm zusammen war.

 

Dann zog er in eine andere Stadt. Er hatte den Umzug nicht mit mir besprochen und stellte mich vor vollendete Tatsachen.

 

Ich viel in ein tiefes Loch.

 

Dort fühlte ich mich verraten und verlassen.

 

Irgendwann kroch ich wieder ans Licht und riss mich zusammen. Als ich meinen Freund befragte, was das alles soll reagierte er verständnislos. Er erklärte mir, er müsse seinen Weg gehen und was das denn überhaupt soll, ihm das vorzuwerfen. Wir könnten ja trotzdem zusammen bleiben.

 

Tja, was soll ich sagen. Das Spiel ging noch eine Weile so weiter. Ich die Verständnisvolle, ohne Bedürfnisse – er der, der seinen Weg gehen muss…

 

Irgendwann war ich ausgebrannt und beendete die Beziehung.

 

Für meinen Freund kam die Trennung überraschend, was vor allem daran lag, dass ich ihm meine Bedürfnisse und wünsche nicht anvertraut oder ein anderes Verhalten von ihm gefordert habe.

 

Eine Zeit lang dachte ich:

 

Er ist der Grund dafür, dass die Beziehung gescheitert ist. Ich hatte ja schließlich alles gegeben…mich angepasst, verändert, Verständnis gehabt…

 

Ich die Gute (ganz eindeutig), er der Böse…

 

Tja, wenn das so einfach wäre…

 

Gibt es einen Schuldigen in Beziehungen?

 

Die Wahrheit ist, dass immer zwei Menschen zu solchen Geschichten gehören.

 

In meinem Fall: Einer, der macht, und eine, die mitmacht.

 

Mein Freund hatte mir nie etwas vorgemacht, er hatte nie beschlossen sein Leben mit mir zu verbringen oder behauptet mir das geben zu können, was ich brauchte.

 

Er hatte sogar immer erwähnt nicht sicher zu sein, ob er lieben könne (komplizierter Typ).

 

Er hatte mir offenbart wie er ist. Ich dagegen hatte mich verstellt, nicht mit offenen Karten gespielt und ihm nicht gesagt, was ich brauche und will. Tja, wie hätte er denn sehen sollen wie ich wirklich bin? Das habe ich ja gekonnt vermieden zu zeigen. Mal davon abgesehen, dass ich es selber nicht wusste…

 

Ich konnte ihm nicht zeigen wie ich bin, weil ich so viele Seiten von mir unterdrückt hatte, dass ich mir eigentlich selber suspekt war. So gesehen brauchte ich ihn unbedingt, um mich besser zu fühlen als mit mir alleine.

 

Das lief natürlich komplett unbewusst ab.

 

Ich habe mich in eine Form gedrängt, die ihn beeindrucken sollte. Ich konnte nicht sagen was ich denke, meinen eigenen Gefühlen nicht trauen und meinen eigenen Impulsen nicht folgen.

 

Wenn man sich selbst nicht „lebt“, dann verliert man sich automatisch im anderen.

 

Das was ich mir von der Beziehung erhofft hatte, war so etwas wie bedingungslose Liebe (klingt kitschig, ok). Dass ich mir unter all den möglichen Partnern denjenigen ausgewählt habe, der von sich behauptet hat nicht Lieben zu können scheint paradox.

 

Aber genau genommen hat es perfekt gepasst.

 

Und zwar, zu meiner unbewussten Überzeugung abgelehnt und zurückgewiesen zu sein. Mein damaliger Freund hat mir genau diese Überzeugung gespiegelt. Er sollte jetzt dafür sorgen, dass das Elend ein Ende nimmt.

 

Keine leichte Aufgabe. Zumal er davon überhaupt nichts wusste…

 

Alleine das ich mich ihm gegenüber so klein gemacht habe und ihn so verherrlicht habe, hat ihn regelrecht dazu gezwungen seine schlechtesten Seiten zu zeigen.

 

Ich habe Liebe mit kämpfen und anpassen verwechselt. Ich kannte das einfach nicht anders.

 

Beziehungen auf Augenhöhe

 

Beziehungen auf Augenhöhe sind nur möglich, wenn man sich selber in irgendeiner Form entdeckt und erkannt hat.

 

Oder zumindest seinen eigenen Mustern und Stories auf die Schliche kommt.

 

Sonst erzählst Du Dir Dein Leben lang die gleiche Gute-Nacht-Geschichte.

 

Der erste Schritt: Selbstakzeptanz

 

Die Selbst-Akzeptanz ist das wohl Schwierigste im Umgang mit sich selbst. Denn es bedeutet, ehrlich zu sich zu sein. Es bedeutet, sich den eigenen Schatten zu stellen.

 

Den Dingen ins Auge zu sehen. Ungeschönt.

 

Und sich einzugestehen: Ja, ich habe hier ein Thema.

 

Das ist so. Ohne Schuld. Ohne Wertung.

 

Selbstakzeptanz bedeutet keinesfalls Stillstand.

 

Es ist eine Bestandsaufnahme.

 

Das heißt, es kann morgen schon anders sein oder übermorgen.

 

Vielleicht auch erst in 3 Jahren…

 

Selbstakzeptanz ist der erste Schritt hin zu dem, was oft unter Selbstbewusstsein verstanden wird und die Voraussetzung für eine Beziehung auf Augenhöhe ist.

 

Wenn ich mich selbst so annehme wie ich bin, dann brauche ich die Anerkennung des andern nicht. Sie hängt nicht von einem andern Menschen ab. Von seinen Plänen, seiner Launen, seiner Befindlichkeit…

 

Das Schöne ist, ich kann mich jederzeit so annehmen wie ich bin und das sogar, wenn andere mich ablehnen. Ob mich jemand mag oder nicht liegt nicht in meiner Hand und hat mehr mit der Person selber als mit mir zu tun.

 

Die Erfahrung zeigt: Wenn man um jeden Preis geliebt werden will und alles was einen ausmacht zurückhält, aus Angst nicht gut genug zu sein, wird man automatisch von anderen unterschätzt und erntet keinen Respekt. Um respektiert zu werden, muss ich mich selber respektieren.

 

Beziehungen sind Lernfelder

 

Beziehungen offenbaren mir am deutlichsten wie ich bin und nach welchen Mustern ich funktioniere.

Das ist spannend, hilfreich und oft schmerzhaft.

Eine Reise zu mir selbst (in Begleitung ).

Wir kommen nicht weiter, wenn wir nur auf den anderen schauen.

Oder an ihm rumdoktern.

Im Prinzip geht es bei den äußeren Beziehungen immer nur um die Beziehung zu uns selbst.

Wir können nicht mit jemand in Resonanz gehen, der uns nicht Aspekte von uns selbst zeigt. Mein Partner spiegelt mir immer meine nicht gelebten Anteile und meine unbewussten Überzeugungen.

 

Wie wir es drehen und wenden: Es geht immer wieder darum, sich selber anzuschauen.

 

  • Wie bin ich? Was will und brauche ich?
  • Wie behandele ich mich?
  • Wie verhalte ich mich?
  • Wo will ich hin?
  • Was fühle ich (Oder auch nicht).

 

Beziehungen helfen uns, unsere alten Muster und Programme zu triggern und ans Licht zu holen, damit wir sie heilen können.

 

Zu den Mustern aus unserer Familie kommt on top noch die gesellschaftliche Prägung.

 

Wir Frauen bekommen ja meistens (immer noch) von klein auf eingetrichtert:

 

Sei höflich, sei freundlich, sei nett und passe dich an, dann gefällst du anderen.

 

Es scheint selbstverständlich zu sein, dass wir uns in eine Form pressen, die uns nicht entspricht.

 

Auf der Suche nach persönlichem Glück macht das keinen Sinn.

 

Die Welt ist groß genug, vielschichtig und bunt und es wird immer Menschen geben, die Dich so mögen wie Du tatsächlich bist. Sie können Dich nur erkennen, wenn Du Dich mit allem zeigst, was Du mitgebracht hast.

 

Du bist der, der ruft. Wenn Du Dir selbst gefällst, dann gefällst Du automatisch dem Richtigen!

 

Was hast Du für Erfahrungen mit der Liebe?

 

Ich freue mich von Dir zu hören!

 

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2 Antworten

  1. Jan sagt:

    Super geschrieben.

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