Das rigide Kind: Wie es die Liebe manipuliert

In engen Beziehungen übernimmt oft das rigide Kind das Ruder. Wenn ein Mensch uns wirklich berührt und wir uns verlieben, dann werden häufig alte, lange nicht gesehene Wunden aktiviert.

Unerlöste kindliche Aspekte tauchen auf und auf einmal ist sie da: Die Angst (wieder mal) nicht zu bekommen, was wir brauchen. Dann wird erpresst, manipuliert und getrotzt – das läuft leider meist völlig unbewusst ab.

Wie kann ich innerhalb meiner Beziehung erkennen, ob ich aus dem rigiden Kind heraus agiere?

Ein entscheidender Schlüsselpunkt ist:

Die Wunde (die aktiviert wird) ist schon lange in mir.

Meist wiederholt sich hier etwas. Ich fühle eine Angst oder einen Schmerz, den ich schon kenne und womöglich lange nicht gefühlt habe. Das heißt, mein Partner aktiviert diese alte Verletzung in mir.

Hier ist wichtig zu verstehen: Mein Partner ist nicht der Verursacher meines Schmerzes, sondern er aktiviert ihn lediglich. Wenn mir das nicht bewusst ist, dann fühle ich mich meist im Recht wütend auf meinen Partner zu werden und handele aus meinem alten Schmerz heraus.

Das rigide Kind übernimmt das Ruder

Das heißt, jetzt ist kein Erwachsener mehr der Handelnde, sondern ein kleines, trotziges Kind. Und dieses Kind hat sehr viel Kraft und darüber hinaus niemals bekommen, was es wirklich brauchte.

Das rigide Kind denkt:

  • Ich schaffe das nicht
  • Ich halte das nicht aus
  • Wieso tust du mir das an?
  • Warum ist nie jemand da, wenn ich ihn brauche?
  • Wieso kannst du mich nicht einfach lieben?
  • Bin ich dir zu viel?
  • Warum lässt du mich jetzt hängen?
  • Bin ich dir nicht mal einen Anruf wert?

Das rigide Kind hat erlebt wie es ist, verlassen zu sein, nicht ausgehalten zu werden, hilflos und überfordert, einsam oder ungesehen zu sein.

Was kannst du tun, wenn das rigide Kind in dir auftaucht?

Zu dem Teil gehen, der hier leidet. Wirklich fühlen, wie sich dieser alte Schmerz anfühlt.

Nicht mehr wegschauen und das Gefühl weghaben wollen.

Dabei bleiben – es pathetisch gesagt – einfach in Liebe hüllen. In Form deiner ungeteilten Aufmerksamkeit. Es ist wichtig dein Bewusstsein zu trennen, von dem kleinen Kind in dir. Der Schmerz ist wahrscheinlich sehr alt und will einfach nur gesehen werden.

Wir erwarten oft dass unser Partner unseren Schmerz endlich sieht oder heilt

Aber wir selbst sind die Heilung. Komm zu dir als diesem Schmerz und schaue ihn dir an. Wenn du dich nicht mehr in dir selber zurückweist, dann braucht es keinen Heiler im Außen mehr. Und dann musst du nicht mehr aus Bedürftigkeit heraus agieren und deinen Partner damit überfordern.

Es geht um die Bereitschaft und den Mut Frust, Schmerz und Angst zulassen. Es ist nicht die Aufgabe unseres Partners, etwas zu tun, damit wir uns besser fühlen oder uns von unserem Schmerz, unserer Angst, Panik oder Traurigkeit zu befreien.

Das ist dein Päckchen. Nur deins. Alles was der andere dir an Liebe oder Freundschaft gibt ist ein Geschenk.

Anstatt deinen Partner anzugreifen oder zu beschuldigen, kannst du ihm ehrlich zeigen, was mit dir los ist. Zum Beispiel indem du ihm erzählst, dass du durch manche Dinge schmerzhaft berührt bist. Wenn du aus deiner Verletzlichkeit heraus sprichst, anstatt mit Wut oder Schuld um dich zu werfen, besteht die Chance das zu bekommen, nach dem du dich wirklich sehnst: Verständnis und Liebe

Gibt es dafür eine Garantie?

Nein.

Echtes Verständnis und Liebe sind nie an Bedingungen geknüpft. Sie lassen sich nicht erkämpfen oder erzwingen.

Es ist viel leichte. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben bekommt man einfach geschenkt.

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