Anleitung zum Unglücklichsein

…nicht von Paul Watzlawick sondern von Gastautorin Ilse B., die mit ihren Regeln zum Unglücklichsein, einen Gegenpool zum allgemeinen Glücksstreben bilden möchte 😉

Hier Part 1 ihrer Regeln:

Oberste Regel: Finden Sie das Haar in der Suppe

Auch wenn es kein Haar gibt. Suchen Sie sämtliche potentiellen Schwachstellen an Ihrem Körper. Hässliche Körperteile betrachten Sie bitte besonders kritisch und lange (gucken Sie auch hinten).

Regel 1: Deuten Sie Ihre Kindheit ins Negative um

Ihre Eltern wollten immerzu mit Ihnen REDEN, haben Ihnen WERTE vermittelt und hatten immerzu ZEIT? Kein Wunder, dass Ihr Leben so langweilig ist und Sie keinen Biss haben. Erinnern Sie sich an schlechte Zeiten, wenn Sie an die Vergangenheit denken. Die gab es auch, Sie haben sie nur verdrängt!

Regel 2: Verlieren Sie sich in der Vergangenheit

Sollten Sie bereits unangenehme Erfahrungen gemacht haben, machen Sie sich das zu Nutze: Unser Gehirn speichert zeitlos. Das, was wir mal erlebt haben, kann jederzeit aktiviert werden. Wie ein schlafender Virus. Erinnern Sie sich mehrmals am Tag daran, wie man Sie ungerecht behandelt oder fies gemobbt hat. (Alter Trick: Den PAIN ins Jetzt holen.)

Regel 3: Verwirren Sie sich selbst

Klarheit ist sexy und das wollen Sie nicht sein. Sie tun gut daran nicht zu wissen, was Sie wollen und was Ihnen wichtig ist. Orientieren Sie sich immer am Gegenüber. Dann sind Sie auf der sicheren Seite. Sicherheit ist wichtig. Eigene Werte oder Regeln sind etwas für die Sonnenkinder. Sie sind Schatten.

Regel 4: Stressige Gedanken

Entwickeln und pflegen Sie stressige Gedanken (Ich bin hässlich, Ich bin dumm). Halten Sie diese Gedanken für die absolute Wahrheit. Finden Sie mindestens fünf Gründe dafür, dass Sie recht haben. Betonen Sie immer, wenn Sie Ihre Gedanken laut aussprechen, dass das jetzt die Wahrheit ist. Das ist wichtig.

Regel 5: Diskutieren Sie nicht

Hören Sie nicht auf Argumente anderer Menschen, die Ihre persönliche Lage beschönigen. In „Argument“ steckt das Wort „arg“. Das sagt schon alles. Weg damit. Hinterfragen Sie nie, ob Sie tatsächlich hässlich oder zu dumm sind oder gar, ob sie doch irgendwer mag. Das verwirrt nur. Es relativiert. Hören Sie auf Ihre Situation zu reflektieren. Sie müssen gar nichts reflektieren. Reflektieren blendet nur (reine Physik).

Regel 6: Arbeiten Sie mit Worten

Reduzieren Sie Ihren Wortschatz. Dass Sie keine Argumente verwenden sollen, heißt nicht, dass Sprache egal ist. Achten Sie darauf, alles zu verallgemeinern und verwenden Sie in allen Sätzen das Wort „nix“. Ich kann nix, Ich bin nix, Ich weiß nix. Das nutzt alles nix. Benutzen Sie Schlagwörter, die es auf den Punkt bringen. Das gibt Ihnen etwas Schnittiges.

Regel 7: Weghören

Entwickeln Sie eine Wahrnehmungsstörung (gerne auch eine Essstörung). Vermeiden Sie es aktiv zuzuhören. Reden Sie ausschließlich über sich und Ihre Probleme. Ignorieren Sie, was Ihr Gegenüber sagt. Sie wollen sich nicht austauschen. Das schafft Nähe und die brauchen Sie nicht. Hören Sie anderen grundsätzlich nicht mehr zu. Meiden Sie Blickkontakt und ignorieren Sie konsequent angeschnittene Gesprächsthemen. Stattdessen jammern Sie, lästern Sie über andere oder werfen Sie mit Worthülsen um sich. Ignorieren Sie, ob das was Sie erzählen, zur Situation passt. Wenn jemand Ihnen von einem ernsthaften Problem erzählt, heucheln Sie Desinteresse oder schwenken Sie das Thema sofort aufs Wetter.

Regel 8: Nonverbale Signale nutzen

Sprechen Sie mit schleppender, monotoner Stimme, bedrückt und langsam. Dabei unbedingt nach unten schauen und die Schultern hängen lassen. Legen Sie eine bleierne Schwere in Ihre Sätze. Leiern Sie Ihren Gesprächspartner gnadenlos runter. Gerne auch mal zwischen durch eine Atemübung (kommt noch). Vermeiden Sie es, dem Gegenüber in die Augen zu schauen. Strecken Sie Ihren Kopf leicht nach vorne, machen Sie einen kleinen Buckel und schieben Sie Ihre Hüften dabei nach vorne. Üben Sie diese Haltung. Klappt irgendwann wie von selbst.

Regel 9: Verallgemeinern Sie, wo Sie nur können

Verwenden Sie Worte wie immer, jeder, alle, keiner und benutzen Sie, wenn Sie über sich und andere reden, Adjektive wie, dumm, hässlich, nutzlos, alt, trantütig. Hinterfragen Sie nicht, was darunter zu verstehen ist oder auf was es sich bezieht. In Hinterfragen steckt das Wort „hinter“ wie in „hinterlistig“. Lassen Sie wichtige  Informationen weg (von wegen Pickel, Sie sind entstellt).

Regel 10: Werden Sie inkongruent

Senden Sie Komm-her-Geh-weg-Botschaften. Nonverbaler und verbaler Ausdruck sollten sich bei Ihnen immer widersprechen (traurig nach unten schauen und dem Gegenüber vermitteln, es ginge Ihnen ausgezeichnet). Das hat was mit Dialektik zu tun. Es verwirrt Ihr Gegenüber, so gewinnen Sie Zeit. In der gewonnen Zeit rauchen Sie, was das Zeug hält. Am besten Reval ohne Filter. Man sollte bei Ihnen unten von oben nur noch dadurch unterscheiden können, dass oben Rauch rauskommt.

Regel 11: Perfektion

Machen Sie keine Fehler. (Sie sind doch kein orthodoxer Hippie.) Fehler sind, wie altmodische Philosophen sagen würden, in der Welt. So wie Planeten. Wir tun A, damit B passiert. Manchmal wird daraus C – und aus C kann man lernen. Das wird dann gerne als ERFAHRUNG verkauft! Das ist total veraltet. Irgendwelche weltfremden akademischen Vögel haben sich das ausgedacht und andere Schöndenker haben das dann nachgemacht.

Das war´s für heute. Nächste Woche gibt es die Regeln 12 – bis schauen wir mal 😉

Alles Liebe!

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