11 häufige Trennungsgründe: Woran die meisten Beziehungen scheitern

 

Trennungsgründe gibt es viele. Woran scheitern unsere Beziehungen heute?

Der Wunsch nach Bindung als angeborenes Grundbedürfnis ist in allen Menschen vorhanden. Trotzdem läuft in der Liebe nicht alles rund. Jede zweite Ehe endet vor dem Scheidungsrichter. Und viele Paare ohne Trauschein leben zwar zusammen, haben sich aber innerlich längst voneinander distanziert oder sind nur noch wegen der Kinder zusammen. In jeder Beziehung gibt es über die Jahre kritische Momente.

 

Hier 11 häufige Trennungsgründe:

 

# Trennungsgründe 1: Mangelnde Wertschätzung

Wer in der Beziehung alles was der Partner tut als selbstverständlich hinnimmt, gefährdet das Gleichgewicht der Beziehung. Wenn wir mit der selben Anspruchshaltung, wie früher als Kind gegenüber den Eltern, in eine Beziehung gehen, wird unser Partner sich irgendwann nicht mehr geschätzt und gesehen fühlen. Ohne deutlich ausgedrückte Wertschätzung geht die Liebe auf Dauer verloren. Laut einiger Studien brauche es mindestens fünf liebevolle, positive Aussagen, um eine unbedachte verletzende Äußerung wiedergutzumachen. Selbst im Affekt sollte man sich angewöhnen, den anderen nicht tief zu kränken oder verächtlich zu behandeln.

 

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# Trennungsgründe 2: Verändertet Lebensumstände

Zweites Kind, Umzug, neuer Job. Oft bleibt kaum Zeit für die eigenen Bedürfnisse und für Zweisamkeit schon gar nicht. Es ist völlig normal, dass es in Beziehungen immer dann kriselt, wenn größere Veränderungen anstehen.

Studien zeigen: Die Zufriedenheit in der Beziehung sinkt ganz dramatisch nach der Geburt des ersten Kindes. Besonders kritisch scheinen hier die ersten zwei Jahre zu sein: zu wenig Sex, zu wenig Schlaf. Dazu kommt, dass sich aus der Zweisamkeit erst eine Familie formen muss. Vor ähnlichen Herausforderungen stehen auch Paare, deren Kinder aus dem Haus sind und bei denen es plötzlich darum geht, wieder zur Zweisamkeit zurückzufinden.

 

# Trennungsgründe 3: Gespenster der Vergangenheit

Unser Elternhaus ist das Trainingslager für unsere zukünftigen Liebesbeziehungen. Ob das Training gut oder schlecht war, das muss jeder wohl ehrlich für sich selbst bewerten.

Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern unsere Vorstellung von den Dingen. – Epitekt

 Oder anders formuliert: Wir reagieren nicht auf die Ereignisse da draußen, sondern auf unsere Interpretation dieser Ereignisse.

Wenn mein Partner häufig zu spät zum Essen kommt, dann denke ich womöglich nicht folgerichtig: Er ist unzuverlässig, sondern: Ich bin nicht wichtig oder Ich bin nicht liebenswert. Und wenn der Gedanke Ich bin nicht liebenswert, eine Überzeugung aus meiner Kindheit ist, dann ruft mein Partner sie mit fast allem, was er tut, wach.

Auf ein objektives Ereignis (jemand kommt zu spät) folgt eine Interpretation (Ich bin nicht liebenswert) darauf ein Gefühl (Trauer/Wut) und darauf eine Reaktion (z.B. jammern, Vorwürfe).

Das geht den meisten von uns so oder ähnlich: Wir sehen das Verhalten anderer durch die Brille unserer Kindheitsprägungen. Das macht echte, klärende Kommunikation oft schwer. Auch deswegen, weil viele dieser Dinge im Verborgenen ablaufen und nicht bewusst sind.

Vielleicht erinnert mich mein Partner an meinen abwesenden Vater oder meine vereinnahmende Mutter. Ich bin mir dieser Ähnlichkeit aber nicht bewusst. Aber ich reagiere gefühlsmäßig auf ihn, als ob er ein Elternteil von früher wäre.

Auch ich kriege solche Übertragungen ab. Nicht jedes Gefühl, das mir mein Partner entgegenbringt gilt mir, sondern vielleicht seiner Mutter oder seiner Schwester.

Wichtig ist, meinen Partner im Hier und Jetzt zu sehen, ohne die Brille der Vergangenheit.

 

# Trennungsgründe 4: Zu wenig Sex und Nähe

Nach einigen Jahren der Zweisamkeit nimmt in der Regel das sexuelle Verlangen ab und die Beziehung kommt in ruhigere Bahnen. Das ist einfach so. Wenn allerdings gar keine Nähe oder Berührung mehr statt findet, wird es kritisch. Hier sollte man sich aktiv Zeit nehmen, um die körperliche Seite der Beziehung zu pflegen. Einigen Studien zu Folge muss man nicht gleich in die Vollen gehen, auch ein gemeinsames Bad oder Kuscheln auf dem Sofa zählt. Hauptsache die Körperlichkeit schläft nicht ganz ein.

 

# Trennungsgründe 5: Hoher Pornokonsum

Das Schwierige beim Sex ist die Beziehung. In Pornos gibt es keinen Stress, keine anstrengenden Wer-bringt-den-Müll-runter Gespräche…

Seit dem Pornos so leicht im Internet verfügbar sind, hat der Konsum ganz klar zugenommen. Natürlich kann man das verteufeln – das bringt aber nichts. Ich tippe, dass jeder Mann gelegentlich Pornos schaut (natürlich auch immer mehr Frauen). Vielleicht ist es eine Idee, darüber zu reden, was der andere für Vorlieben hat oder sich mal gemeinsam einen Film anzuschauen. Ich denke, kritisch wird es erst dann, wenn der Konsum zwanghafte Züge annimmt oder man nur noch virtuell Spaß haben kann.

 

# Trennungsgründe 6: Fremdgehen

Die Natur hat den meisten von uns einen ausgeprägten Sexualtrieb mitgegeben, damit wir überleben und unsere Gene möglichst weit verbreiten. Treue ist oft eine Entscheidung, die man solange nicht in Frage stellt, bis irgendetwas in der Beziehung dauerhaft schiefläuft oder vermisst wird. Vielleicht geht es bei einer Affäre nicht vorrangig um Sex, sondern darum: mal wieder gesehen und wahrgenommen zu werden.

Eine Affäre muss kein Trennungsgrund sein und kann dazu genutzt werden, sich die Fragen zu stellen:

  • Was hat gefehlt?
  • Was konnte ausgelebt werden?
  • Würde ich mit meiner Affäre eine Beziehung wollen oder geht es um etwas Anderes?
  • Wie viel Nähe kann ich zulassen?
  • Was für unbewusste Programme laufen in mir ab?

 

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# Trennungsgründe 7: Der Mythos der ewigen Liebe

Der Glaube „Wenn ich den Richtigen gefunden habe, dann bleibe ich bis an mein Lebensende glücklich“ bedeutet im Umkehrschluss: „Wenn ich nicht mehr glücklich bin, dann scheint es nicht der Richtige zu sein.“

Wer würde mit so einem Glaube, nicht die Beziehung in Frage stellen?

Anstatt den Partner in Frage zu stellen, ist es meist sinnvoll, meine eigene romantische Vorstellung von Liebe in Frage zu stellen.

Eines ist sicher: Der Hormonrausch vergeht. Und dann ist es eine gemeinsame Entscheidung, den Weg als Paar weiter zu gehen, mit allen Hürden und Hindernissen, die sich im Laufe der Zeit zeigen.

 

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# Trennungsgründe 8: Zu hohe Erwartungen

Wer seine ganze Erfüllung in der Beziehung sucht, der wird meist enttäuscht. Genau damit ist die Liebe überfordert. Dein Partner ist ja auch nur ein Mensch. Mit Ängsten, Begrenzungen und alten Mustern. Möglicherweise genauso verkorkst wie Du. Und natürlich alles andere als perfekt.

Wozu solltest Du dem Partner vorwerfen, dass er nicht perfekt ist, wenn es diese Form der Perfektion ohnehin nicht gibt?

 

# Trennungsgründe 9: Keine gemeinsamen Pläne mehr

Studien zeigen, dass langlebige, stabile Ehen einen Halt gebenden Rahmen besitzen, der unglücklichen Paaren fehlt. Glückliche Paare haben demnach oft gemeinsame Interessen und Hobbies (Klettern, Wandern, Fahrrad fahren) oder teilen eine gemeinsame Leidenschaft wie Musik oder Theater. Meist haben sie auch ähnliche Überzeugungen oder Vorstellungen vom Leben (das Häuschen im Grünen oder die Wohnung im Großstadtdschungel).

Starke Paare sind Meister darin, die Zukunft neu zu planen, sich von alten Lebensträumen zu verabschieden und gemeinsam neue zu finden.

 

# Trennungsgründe 10: Kommunikationsunterschiede

Mittlerweile ist bekannt, dass Männer gerne sachlich und lösungsorientiert an Dinge ran gehen, während Frauen Beziehungsaspekte in den Vordergrund stellen. Männer können sehr kopflastige, rationale Entscheidungen treffen und ihnen fällt es leicht, Dinge mit einer gewissen Distanz zu betrachten. Frauen beachten mehr, was für Auswirkungen ihre Entscheidungen auf andere Menschen haben und wie es ihnen damit gefühlsmäßig geht.

Wenn eine Frau ihrem Mann von einem Problem erzählt, dann will sie meistens dass er ihr zuhört. Der Mann möchte am liebsten schnell eine Lösung für sie finden. Das will sie aber gar nicht. Ihr ist seine Anteilnahme viel wichtiger.

 

# Trennungsgründe 11: Unterschiedlicher Umgang mit Gefühlen

Der Therapeut Björn Süfke sagt, dass in der männlichen Sozialisation schwache Gefühle nicht erwünscht sind: Hilflosigkeit, Trauer, Ohnmacht oder Scham dürfen traditionell eher von Frauen gefühlt werden.

Ganz nach dem Motto: Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Wenn nun die Frau mit ihren schwachen Gefühlen zum Mann kommt und Anteilnahme erwartet, ist dieser oft überfordert, weil er mit den schwachen Gefühlen bei sich selbst nichts zu tun haben will.

So funktioniert´s aber leider. Man fühlt die Gefühle des andern und geht mit ihnen in Resonanz. Wenn es aber gefährlich oder verboten ist, bestimmte Gefühle zu fühlen, dann muss man sie natürlich beim anderen übergehen, damit sie nicht in einem selber wach werden.

 

Was können wir tun?

Kontakt zu den eigenen Gefühlen bekommen. Das ist viel gesünder als Gefühle zu verdrängen. Das heißt, ein aufkeimendes Gefühl nicht weg drücken, sondern ihm Raum geben. Das ist nicht gefährlich und bringt uns nicht um.

Wichtig ist auch: Verständnis für die Andersartigkeit des Partners zu entwickeln. Männer konkurrieren lieber und messen sich, Frauen suchen oft das gemeinsame, verbindende Element im zwischenmenschlichen Kontakt. Beides hat seinen Wert und seine Zeit.

 

Präsent sein und dem anderen Raum geben

 

Für eine gelungene Beziehung sind die Zauberworte: Augenhöhe und Präsenz

Und egal welchem Geschlecht wir angehören: Es macht Sinn, sowohl die männliche als auch die weibliche Seite in uns zu entwickeln. Zuhören, empathisch sein, sich hingeben – aber auch verhandeln, argumentieren, sachlich bleiben können.

Beide Pole schwingen am besten im Gleichgewicht. Dann können wir uns neu kennenlernen, in unseren Begegnungen präsent sein und von einander profitieren.

Wie erlebst Du Deine Beziehungen?

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