11 Anzeichen die darauf hin deuten, dass Dein Partner ein Problem mit Nähe hat

Kennst Du das:

Dein Partner lässt sich nicht wirklich auf Dich ein und entzieht sich Dir immer wieder? Du weißt nicht, woran Du bei ihm oder ihr bist? Mal ist er liebevoll, dann wieder distanziert?

Vielleicht hat Dein Partner ein Problem mit Nähe?

Bindungsscheue Menschen haben oft in der Kindheit einen Schutz vor Nähe aufgebaut, um in ihrer Familie klar zu kommen. Oft schwanken sie zwischen einem starken Nähe-Bedürfnis und einer starken Nähe-Angst. Sie fühlen sich nie wirklich in der Beziehung angekommen.

Ich erzähle Dir in diesem Artikel, welche 11 Anzeichen ein Hinweis darauf sein können, dass Dein Partner ein Problem mit Nähe hat und was Ihr möglicherweise dagegen tun könnt.

 

1. Dein Partner zweifelt ständig an der Beziehung

 

Menschen, die mit Nähe Probleme haben, stehen oft nach der ersten Phase des Verliebt Seins vor der Frage, ob nicht doch ein anderer Partner die bessere Wahl gewesen wäre. Sie zweifeln fast immer an der Beziehung und befinden sich unbewusst auf der Suche nach jemandem der besser zu ihnen passt.

 

2. Dein Partner mauert und bleibt distanziert

 

Oft hat einer in der Beziehung die Kontrolle über Nähe und Distanz. Das ist meist derjenige, der sich besonders schlecht abgrenzen kann und am wenigsten in der Lage ist Konflikte einzugehen.

Maurer halten konstant einen gewissen Abstand zum Partner ein und sind emotional und physisch oft abwesend.

Hier findet man Menschen, die mit ihrer Arbeit verheiratet sind oder zeitaufwendige Hobbies pflegen. Sie wirken oft recht emotionslos und unbeteiligt. Ihr Feierabend Bier und ihre Ruhe sind ihnen wichtiger, als Zeit mit Dir zu verbringen.

Übrigens: Auch in einer Ehe oder Dauerbeziehung kann Dein Partner Dich konstant auf Abstand halten, indem er z.B. viel unterwegs ist, aufwendige Hobbies pflegt, bis spät in die Nacht arbeitet oder sich in die Kneipe flüchtet.

 

3. Sobald Dein Partner Dich erobert hat, lässt sein Interesse nach

 

Die Leidenschaft Deines Partners wird umso stärker, je unsicherer Eure Beziehung ist.

Oft stärken Bindungsflüchtige ihren Selbstwert über Eroberungen. Je größer die Herausforderung ist, desto höher ist der Selbstwertgewinn.

Oder anders formuliert: Umso schwieriger die Jagd, desto wertvoller die Beute.

Das Problem ist: Der Selbstwert lässt sich nur kurzfristig über die neue Eroberung stärken und steht nach wie vor auf wackeligen Füßen. Er muss ständig gefüttert werden und droht weg zu brechen.

Wenn der Partner erobert ist, verliert er natürlich an Reiz. Sobald sich der Gejagte tatsächlich auf den Jäger einlässt, fällt er vom Thron und wird uninteressant.

Der Jäger verliert das Interesse, weil die Liebe desjenigen jetzt scheinbar nicht mehr soviel Wert ist. Um seinen angeschlagen Selbstwert zu stärken, braucht er neue Herausforderungen.

Der Jäger lässt sich meist nicht wirklich auf eine feste Beziehung ein. Er präsentiert nur seine Schokoladenseiten und möchte vermeiden, dass die Beute sieht wie er wirklich ist. Tief im Inneren glaubt er, nicht liebenswert zu sein und nicht genügen zu können. Das heißt, bevor die Beziehung zu eng wird flieht er, um den Schmerz des Ungeliebt Seins nicht fühlen zu müssen.

Möglicherweise verwickelt Dich ein Partner mit diesem Muster in ein Machtspiel. Je mehr Du Dich auf ihn einlässt, desto distanzierter verhält er sich. Sobald Du ihn aufgibst und Dich zurückziehst, interessiert er sich wieder für Dich. Oft sieht die Beziehungsdynamik so aus, dass einer klammert und einer flüchtet. Der Partner, der klammert, verliert solange an Attraktivität bis er wieder auf Abstand geht. Dann kann das Spiel von vorne beginnen.

 

4. Dein Partner provoziert aus dem Nichts einen Streit

 

Dein Partner hat nicht gelernt, angemessen mit Gefühlen wie Wut und Ärger umzugehen. Ein Zuviel an Nähe kann Aggressionen bei ihm auslösen, weil er sich innerlich schlecht abgrenzen kann.

Du kannst so jemandem nicht nicht zu nahe kommen. Oft reicht Deine pure Anwesenheit schon aus.

Wenn die Beziehung sicherer und ruhiger wird, taucht paradoxerweise eine unbewusste Verlustangst bei Deinem Partner auf. Jemand mit Bindungsangst neigt dann dazu einen Streit zu provozieren, um die Kontrolle zu behalten.

Ganz nach dem Motto: Besser ich mache die Beziehung kaputt, als mich einzulassen und dann enttäuscht zu werden.

Dazu kommt, da Dein Partner keine sichere Bindung in der Kindheit erlebt hat, traut er dem Frieden in Eurer Beziehung nicht. Möglicherweise bricht er einen Streit vom Zaun oder kritisiert Dich, um sich zu bestätigen, was er zu wissen glaubt: Du verlässt mich sowieso und liebst mich nicht wirklich.

 

5. Dein Partner hat Angst vor Verbindlichkeit

 

Menschen, die mit Nähe nicht gut zurecht kommen, sind oft nicht da, wenn man sie erwartet oder braucht. Ihr Handy ist ständig aus oder sie gehen nicht ran, wenn Du anrufst. Sie sagen feste Verabredungen kurzfristig ab, verspäten sich oder planen Dich in ihre Entscheidungsprozesse nicht ein. Sie halten sich lieber alle Optionen offen und Dich auf Abstand.

Forderungen nach mehr Nähe und Verbindlichkeit lösen in Deinem Partner den Druck aus diese Gefühle erwidern zu müssen. Das macht ihm oder ihr Angst, in der Falle zu sitzen und Dich für immer und ewig zurück lieben zu müssen.

Dein Partner hat unbewusst das Gefühl: Wenn ich einmal Ja sage, dann darf ich nie wieder Nein sagen.

 Aufgrund von Kindheitserfahrungen wird Bindung mit Zwang, Einsamkeit, Selbstaufgabe und Unterdrückung verbunden.

6. Dein Partner flüchtet regelmäßig aus der Beziehung

 

Damit Dein Partner seine unbewusste Angst vor Nähe nicht fühlen muss flüchtet er in:

 

  • Affären
  • Lustlosigkeit
  • Fernbeziehungen
  • Süchte
  • Depressionen
  • Hobbies
  • Arbeit
  • Gefühlskälte

 

Oft sind das nur Schutzstrategien, um die tiefsitzende Verlustangst oder die Angst vor Nähe nicht zu spüren.

 

Lesetipp: Liebessucht: Wie Du ihn einfach loslssen kannst

 

7. Dein Partner hat kaum körperliches Interesse an Dir

 

Viele Bindungsängstliche suchen sich Partner, die sie nicht hundertprozentig attraktiv finden, um sich sicherer zu fühlen. Das heißt, sie suchen sich unbewusst jemanden der ihnen emotional nicht wirklich gefährlich werden kann oder sie lassen sich gar nicht erst ernsthaft auf Dich ein, weil sie nicht verletzt werden wollen.

 8. Dein Partner steht in Gesellschaft anderer nicht zu Dir

 

Auf Feiern oder öffentlichen Veranstaltungen, wo sich Dein Partner als fester Partner präsentieren muss, fühlt er sich besonders unwohl. Weil er innerlich nicht wirklich zu der Beziehung steht, fällt es ihm natürlich äußerlich genauso schwer. Er will keine Verantwortung für die Beziehung übernehmen und sich nicht wirklich zu Dir bekennen.

 

9. Dein Partner kann in Deiner Gegenwart nicht er selbst sein

 

Menschen, die sich von Nähe erdrückt fühlen, haben ihre Familie nicht als Schutzraum erfahren, von dem aus sie die Welt erkunden können. Sie fühlen sich oft nur dann wirklich wohl, wenn der Partner nicht im Raum ist. Erst dann können sie überhaupt echten Kontakt zu sich selbst herstellen und dürfen ihre sensiblen Antennen einfahren. Hier kommt der unbewusste bindungsängstliche Anteil zum Vorschein:

 Ich habe Angst abgelehnt zu werden, wenn ich mich so zeige und verhalte, wie ich bin.

Dein Partner ist gewohnt seine Aufmerksamkeit im Außen zu halten und hat den Zugang nach innen verloren.

 Menschen, die in ihrer Kindheit mit schwachen, überfordernden Elternteilen zu tun hatten, fühlen sich später oft unaufgefordert verantwortlich für das Wohlbefinden ihres Partners. Sie nehmen mit sensiblen Tentakeln die Stimmung ihres Partners wahr und vergessen dabei sich selbst. Aufgrund ihrer hohen Empathie Fähigkeit, können sie sich schlecht abgrenzen und es fällt ihnen schwer bei sich zu bleiben. Sie spüren oft gar nicht, was ihre eigenen Bedürfnisse sind. Oder können sie nicht mehr von denen des Partners trennen. Das heißt, sie fühlen sich auch verantwortlich für das Befinden ihres Gegenübers.

Für die Launen eines anderen verantwortlich zu sein, ist natürlich nicht möglich und enorm stressig. Daher fühlt sich Dein Partner neben Dir auf Dauer gefangen und unfrei.

Menschen die sich gut abgrenzen können fühlen sich auch dann frei, wenn der Partner in ihrer Nähe ist.

 10. Dein Partner fühlt sich ständig von Dir unter Druck gesetzt

 

Beziehungsflüchtlinge sind überzeugt sich anpassen zu müssen, wenn sie geliebt werden wollen. Sie fühlen sich leicht unter Druck gesetzt und kontrolliert und reagieren sehr empfindlich, was die Überschreitung ihrer persönlichen Grenzen betrifft. Sie fühlen sich aufgrund ihrer Kindheitserfahrungen schnell dominiert vom anderen. So kann die Forderung des Partners, den Müll runter zu bringen schon als total übergriffig und einengend empfunden werden.

Anstatt darüber zu sprechen oder zu sagen, was sie wollen und fühlen, neigen sie dazu sich passiv-aggressiv zu verhalten.

Das heißt, sie trödeln, schieben auf oder vergessen Dinge, die sie zugesagt haben.

Oder sie reagieren unangemessen aggressiv auf jegliche Art von Forderung und drohen Dir an sich zu trennen.

Der Gedanke Ich muss deine Erwartungen erfüllen löst bei Deinem Partner enormen Druck und einen starken Freiheitsdrang aus.

Dein Partner fühlt sich von Deinen vermeintlichen Erwartungen nach Zuwendung, Aufmerksamkeit und Präsens überfordert, weil er innerlich nicht die Freiheit verspürt, ohne schlechtes Gewissen Nein sagen zu dürfen.

 11. Dein Partner stellt sich tot

 

Vielleicht wird Dein Partner auch plötzlich total kalt und unnahbar. Das war wahrscheinlich in seiner Kindheit eine sinnvolle Überlebensstrategie, um mit überwältigenden Gefühlen oder Ereignissen klar zu kommen.

Dieses In-sich-selbst-Verschwinden und alle Gefühle abstellen passiert reflexartig. Dein Partner dissoziiert sich von sich selbst, um nicht von seinen Gefühlen überflutet zu werden.

Familie ist ein Ort, wo Menschen füreinander da sind.

Das hat Dein Partner so nicht erlebt. Bei ihm hieß es eher: lieb sein, brav sein, still sein, sich in sich selbst zurückziehen, nicht vertrauen, nicht fühlen.

Sein Unterbewusstsein verbindet mit Bindung: Verpflichtung, Zwang, Abhängigkeit und Selbstverlust. Gleichzeitig schlummert dort eine große Angst sich abzugrenzen und daraufhin ausgeschlossen und verlassen zu werden.

 

Was gibt es für Lösungsmöglichkeiten? Wie kommt Ihr da raus?

 

Mit dem inneren Kind reden.

 

Das innere Kind Deines Partners muss verstehen:

 

Heute bin ich groß und darf mitreden. Ich bin liebenswert und darf in einer Beziehung ich selber sein.

 

Das innere Kind Deines Partners braucht die Botschaft:

 

Du bist gut genug. Egal, ob jemand an Deiner Seite bleibt oder nicht. Damals wäre das lebensbedrohlich gewesen. Heute nicht mehr.

 

Beziehungen sind im Idealfall Verbindungen, wo zwei Menschen füreinander da sind und sich bereichern.

 

Wenn man aus einer schwierigen Elternhauskonstellation kommt, braucht es für eine wahrhaftige, nahe Liebesbeziehung auf jeden Fall Mut.

Der Wunsch nach echter Nähe und Verbundenheit in einer Beziehung muss grösser sein, als die Angst, ob man im Falle des Scheiterns der Beziehung den Liebeskummer darüber aushält.

 

Jetzt heißt nicht für IMMER.

 

Gut ist auch, wenn Dein Partner den stressigen Gedanken los wird:

 

Ich muss für immer mit Dir zusammen bleiben.

 

 Hier kann die Botschaft lauten:

 

Du darfst dich trennen, wenn es nicht mehr läuft.

Du musst nicht bleiben.

Nur jetzt und hier.

Du und dieser Mensch.

Nicht den Rest deines Lebens.

Nur heute.

Und vielleicht morgen.

Und in den Urlaub fahren ist gar nicht schlimm.

Nur ein Urlaub – nicht lebenslänglich.

Und dann sehen wir weiter.

Alles ist ok.

Der Krieg von damals ist vorbei – Du bist frei.

 

Wie geht es Dir in Deiner Beziehung?

Ich freue mich, von Dir zu hören!

 

 

Das könnte Dich auch interessieren...

4 Antworten

  1. Oktober 6, 2017

    […] Bist Du wirklich bereit für Nähe? […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.